Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten

Science-Fiction beschreibt utopischen, technologischen Fortschritt oder neue Gesellschaftsformen, um Kritik an gegenwärtigen Zuständen zu üben oder aber zeigt riesige Raumkreuzer, Roboter und Aliens in märchenhafter Handlung.

Science Fiction - Mehr als nur Space Opera!

Science Fiction wird von vielen Menschen belächelt. Sehr oft wird dieses Genre mit einfach gestrickten Handlungen in weit entfernten Galaxien in Verbindung gebracht und auf Weltraumkreuzer und Laserschlachten reduziert. Doch Science Fiction kann durch Aufzeigen möglicher, zukünftiger Szenarien durchaus auch Gesellschafts- und Technologie-Kritik üben und zum Nachdenken anregen. Selbst wenn "Star Wars" als Prototyp des Science-Fiction-Films genannt wird, offeriert diese Filmkategorie dennoch weitere Untergenre, die unterschiedlichste Interessen befriedigen können. Klassische Themen wie das Weltraumabenteuer oder die Invasion durch Ausserirdische, werden durch filmische Ausarbeitungen neuer Gesellschaftsformen - also z.B. zukünftige, totalitäre Regime - oder durch Technologie-zentrierte Themen abgerundet: so zeigen etliche Science-Fiction-Filme die Möglichkeiten der Gentechnik in zwar utopischer Weise, aber durchaus mit einem warnenden Unterton. Zeitreise-Abenteuer halten hingegen Logik-Löcher offen, so dass neben der rein technologischen Möglichkeit im Prinzip eher philosophische Fragen beantwortet werden müssen: nämlich, welche Auswirkungen eine Reise in die Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Hier stösst Science-Fiction auf offene Türen in Fächern wie Philosophie, Ethik und Physik. Und oftmals vermag gut gemachte Science Fiction neue Impulse für Forschungsthemen zu setzen. Auch wenn "Beamen" womöglich nie realisiert wird, so ist der "Medizinische Trikoder" durchaus in Reichweite.

Klassiker des Science Fiction

Novellen wie Jules Vernes (1828 - 1905) "Reise zum Mittelpunkt der Erde", "In 80 Tagen um die Welt" oder "Reise um den Mond" waren zum Zeitpunkt ihres Erscheinens utopische Vorstellungen. Heute erscheinen viele Geschichten - gerade in Anbetracht der jetzigen technologischen Möglichkeiten - ein wenig naiv. H.G. Wells (1866 - 1946) "Zeitmaschine" und "Krieg der Welten" sind nur unwesentlich jünger, aber leichter auf neuzeitliche Vorstellungen zu adaptieren, z.B. indem der konkrete Ausdruck "Marsmensch" durch "Ausserirdischer" ersetzt wird. Die Blütezeit der Science-Fiction lag in der wirtschaftlichen Depression der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts und in den Weltkriegen. Die Leute wollten ihrem Alltag entfliehen und haben futuristische Groschenromane wie "Flash Gordon" und "Buck Rogers" en masse konsumiert. Auch erste fantastische Filme, wie King Kong und Frankenstein erzielten grosse Erfolge.

Der längere Stummfilm von Fritz Lang - Metropolis - von 1927 konnte zu Beginn keinen grossen Zuspruch erlangen. Das Szenario spielt in einem riesigen Stadtmoloch - geteilt in eine Unterstadt mit Arbeitern und eine Oberstadt mit reichen Bürgern. Mit Bildtelefon, Einschienenbahn und Robotern (Maschinenmenschen) erscheint der Film aber noch heute sehr visionär und das Hauptthema - nämlich der Klassenkampf zwischen Unter- und Oberstadt ist aktueller denn je. Der Film wurde aufgrund der Reaktion des Premierenpublikums um 38 Minuten gekürzt und konnte erst 2001 in grossen Teilen rekonstruiert werden - worauf er in das Unesco Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Erst 2010 konnte "Metropolis" dank einer in Buenos Aires aufgetauchten Kopie wieder nahezu vollständig - bis auf 8 Minuten von ursprünglich 153 - wiederhergestellt werden.

Metropolis

Das Filmset von Metropolis wirkt auch heute noch modern, und Elemente daraus dienten als Vorlage für Bauten in "Blade Runner" oder das "Das fünfte Element".

Der zweite Weltkrieg und die Bedrohung durch die Russen im kalten Krieg haben dann insbesondere den Invasionsfilmen, in denen Extraterrestrische die Erde besuchen, einen Aufschwung ermöglicht. Ein wichtiger Film dieses Genres ist "Der Tag an dem die Erde stillstand" (The Day the Earth Stood Still, 1951 - basierend auf einer Novelle aus dem Jahr 1940), in dem ein friedliebender Ausserirdischer namens Klaatu in Begleitung von Gort - einem Maschinenwesen - nach seiner Landung gleich unter Beschuss genommen wird. Klaatu wird angeschossen, als er ein Geschenk für den Präsidenten der USA überreichen will, wird in ein Krankenhaus gebracht und kann anschliessend fliehen. Er trifft auf Helen Benson und ihren Sohn Bobby, die ihm helfen, die menschliche Natur zu ergründen. Es gilt, das Verdikt der Ausserirdischen, das aufgrund der Gewaltbereitschaft der Menschen gefällt wurde, noch abzuwenden: Der Menschheit droht im Film die vollständige Vernichtung. Ein Remake mit Keanu Reeves in der Rolle des Klaatu aus dem Jahr 2008 konnte aber nicht überzeugen.

Der Tag an dem die Erde stillstand

Szenenbild aus "Der Tag an dem die Erde stillstand" - 20th Century Fox

Im gleichen Jahr - und im Zuge einer wahren Ufo-Hysterie - erschien zudem "Das Ding aus einer anderen Welt" (The Thing from Another World), in dem eine Gruppe aus Forschern in der Arktis auf ein abgestürztes Raumschiff trifft. Der Versuch, das Raumschiff freizusprengen, zerstört es, übrig bleibt ein unbekanntes Wesen eingeschlossen in einem Block aus Eis. Nachdem die Lebensform aufgetaut ist, macht sie Jagd auf Tier und Menschen. Das sehenswerte Remake von John Carpenter aus dem Jahr 1982, das unter dem gleiche Titel veröffentlicht wurde, bietet einen ähnlich ausgeprägten Horror, wobei die ausserirdische Lebensform effektvoller und grauslicher inszeniert wurde.

Mit dem Wettlauf zum Mond musste sich die Science Fiction aber rasant weiterentwickeln, um nicht von wissenschaftlichen Tatsachen widerlegt oder vom technologischen Fortschritt überholt zu werden. Somit rückte die Reise in den Weltraum in den Fokus.

Weltraumabenteuer

Die frühen 70er Jahre waren geprägt von billigen, schnell produzierten B-Movies und der Science-Fiction Serie "Raumschiff Enterprise" (Star Trek, 1966-1968), bis schliesslich im Jahr 1968 das Regiegenie Stanley Kubrick mit "2001 - Odyssey im Weltraum" (2001: A Space Odyssey) sein episches Meisterwerk veröffentlichte, dessen Drehbuch in Zusammenarbeit mit dem Science Fiction Autor Arthur C. Clark entstand. Kubrick setzte sowohl filmisch, musikalisch als auch inhaltliche Massstäbe, so dass der Film für Cineasten als das Meisterwerk des Science Fictions schlechthin gilt. So bezeugen die Bilder der Menschwerdung, die Umsetzung der sich drehenden Raumstation im Erdorbit und die perfekt passende, klassische Musik Kubricks Akribie. "2001 - Odyssey im Weltraum" handelt vom Einfluss einer ausserirdischen Macht - visualisiert in Form eines schwarzen Monoliths - auf die Bewussteinsentwicklung des Menschen. Die affenartigen Wesen, die den Monolithen zu Beginn berühren, entwickeln in den Anfangssequenzen ein Bewusstsein und beginnen Knochen als Werkzeuge und Waffen zu nutzen. Im Jahr 1999 betreibt der Mensch schliesslich Raumfahrt: eine im Bau befindliche Raumstation wird eindrucksvoll in Szene gesetzt. Von hier wird eine Expedition zum Mond gestartet, auf dem - durch eine Nachrichtensperre geschützt - die Sensation wartet. Im Krater Tycho wird ein weiterer Monolith ausgegraben, der nach seiner Berührung für alle ohrenbetäubend in der Kommunikationsanlage zu hören, ein elektromagnetisches Signal Richtung Jupiter sendet. Eineinhalb Jahre später startet eine Forschungsmission an Bord des Raumschiffes "Discovery" mit einer Besatzung in Richtung Jupiter, die unwissend über die wahren Beweggründe der Mission ist: nämlich weitere Informationen über den Monolithen und sein Signal zu sammeln. Lediglich der Bordcomputer HAL 9000 (H kommt vor I, A vor B, L vor M - somit steht HAL womöglich für die Firma IBM) ist über die wahre Mission informiert. HAL entwickelt aber im Laufe der Reise Fehlfunktionen und ist für das Ableben nahezu aller Besatzungsmitglieder verantwortlich. Lediglich Crewmitglied Bowman ist HAL gewachsen, wird von HAL über die Wahrheit informiert und beendet, nachdem er HAL ausser Funktion setzt, die eigentliche Mission.

2001 - Odyssey im Weltraum

"2001 - Odyssey im Weltraum" hat tricktechnich neue Massstäbe gesetzt - Warner Brothers

Zu einer Explosion an hochklassigen Weltraumabenteuern kam es im Jahr 1977 mit George Lucas' "Krieg der Sterne" (Star Wars). Das Epos war ursprünglich mehrteilig ausgelegt, nach dem grossen Erfolg von "Krieg der Sterne" wurde "Das Imperium schlägt zurück" (1980) und "Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983) nachgelegt. Dann erklärte Lucas die Trilogie für abgeschlossen, hat sie aber später um drei Prequels ergänzt (1999-2005). Krieg der Sterne war ein vergleichsweise kostengünstiges Werk, das vor allem auf Nachwuchsdarsteller setzte (darunter auch der damals völlig unbekannte Harrison Ford), die aber in ihren Rollen und im gegenseitigen Spiel aufblühten: die Dreiecksbeziehung zwischen Prinzessin Leia (Carrie Fisher), Han Solo (Harrison Ford), Luke Skywalker (Mark Hamill) ist brillant umgesetzt - insbesondere im Vergleich zu den Beziehungsgeschichten in den später produzierten 3 Prequels. Krieg der Sterne ist aber prinzipiell ein Abenteuerfilm, bzw. sogar ein Märchen, dessen Handlung einfach in den Weltraum verschoben wurde. Mit der "Macht" gab George Lucas dem Film zudem eine religiöse Grundströmung. Der Zuschauer wird mit extrem detaillierten Raumschiffen, Raumschlachten, Laserschwert-Szenen verwöhnt - sozusagen ein Surrogat für Schiffe, Seeschlachten und Schwertkämpfe, und die Macht und die dunkle Seite der Macht erlauben eine Diskussion moralischer Werte. Raumschifftechnik (man erinnere sich an den Charakter des Chefingenieurs Scotty in Star Trek) spielt aber in Star Wars überhaupt keine Rolle - vermutlich wurde die Trilogie aufgrund ihres reinen Märchen-Charakters ein so grosser Erfolg.

Krieg der Sterne

Szene aus "Krieg der Sterne" - 20th Century Fox

Der grosse Wurf gelang George Lucas aber mit seiner eigenen Effekt-Firma "Industrial Light & Magic" (ILM). Während Lucas in den Vorbereitungen zu seinem Film steckte, schloss das finanzierende Studio 20th Century Fox die eigene Effektabteilung. Lucas, der bahnbrechende Effekte einsetzen wollte, kontaktierte daraufhin Douglass Trumbull, der Jahre zuvor verantwortlich für "2001 - A Space Odyssey" war, wurde aber von Trumbull an dessen damaligen Assistenten George Dykstra verwiesen. Lucas und Dykstra gründeten die ILM 1975 und stellten eine Horde technikbegeisterter College-Studenten ein. Ihr wichtigtes Werkzeug wurde "Motion Control", mit der ein Modell und eine Kamera nach vorgegebenem Pfad vor einem Bluescreen bewegt werden konnten. Der blaue Hintergrund konnte anschliessend durch eine vorher gedrehte Szene ersetzt werden - oftmals wurden auch weitere Modelle eingestanzt. Daraus entstanden Sequenzen von mehreren, teilweise überlagerten, sich natürlich bewegender Objekte, die aber zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten gefilmt wurden. Ein Modell eines Raumschiffs war übrigens lediglich zwischen einem halben Meter und zwei Meter gross, trotzdem erzeugt es z.B. bei einem imperialen Kreuzer den Eindruck von mehreren Kilometern Grösse. ILM hat bis heute übrigens an über 100 Filmen mitgearbeitet und setzt nun mehrheitlich auf computergenerierte Animationen. Bekannt ist z.B das Wasserwesen aus "The Abyss - Abgrund der Tiefe", das bereits 1989 vollständig im Computer berechnet wurde. Auch der T-1000 aus "Terminator 2" stammt aus der Effekteschmiede von ILM. Weitere Science-Fiction-Filme wie "E.T. der Ausserirdische" - " "Zurück in die Zukunft", "Men in Black", "Minority Report" haben wesentlich durch die Arbeit der ILM profitiert. Ab dem zweiten Star Trek Film war ILM auch für die Effekte dieser "Konkurrenz-Reihe" verantwortlich.

Motion Control

Das Motion-Control-System bei der Arbeit - Industrial Light & Magic

Der grosse Erfolg von Star Wars hat die Macher der "Raumschiff Enterprise"-Serie dazu bewogen, mit "Star Trek - der Film" einen Spielfilm in die Kinos zu bringen, der aber schwer verständlich und ein wenig langatmig war. Das Grundthema des Films, nämlich dass die Erde durch eine unheimliche, ausserirdische Technologie bedroht wird, die alles Leben vernichtet, hat viele Kinobesucher verwirrt und führte zu einem geringen Einspielergebnis von lediglich 139 Mio USD. Trotzdem konnte sich Paramount dazu entscheiden, ein Sequel zu produzieren, dass dann mit "Zorn des Khans" insbesondere die Fans der Serie "Raumschiff Enterprise" angesprochen hat. Erwähnenswert ist unter anderem ein Film aus dem Jahr 1987 "Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart" der ein ähnliches Thema wie der erste Film verarbeitete - also die mögliche Vernichtung der Erde durch eine übermächtige Raumsonde. Doch wohingegen in Teil eins eine düstere, apokalyptische und ernste Atmosphäre herrscht, kontert der vierte Film mit einer feinen Selbstironie, einem interessanten Zeitreise-Plot und konnte etliche Fans neu gewinnen. Ein Jahr später startete mit "Star Trek - The next Generation" (TNG) ein weiteres Franchise im Fernsehen. 1994 kommt es in "Star Trek: Treffen der Generationen" auch im Kino zur Staffelübergabe zwischen der sichtlich gealterten Crew der alten Enterprise und des neuen Schiffes. Doch die Filme erreichten nie eine bemerkenswerte Qualität und in 2002 war mit dem zehnten Teil vorerst Schluss mit TNG im Kinoformat. Erst J.J. Abrahams konnte in 2009 der Reihe mit einem Prequel zur ursprünglichen Fernsehserie wieder Leben einhauchen. So wurde der Stil eher an die alten "Star Wars"-Geschichten angepasst, indem z.B. Weltraumschlachten beschleunigt wurden. Der Film funktionierte auch eigenständig und ist leichter verdaulich. Somit konnte der Streifen sowohl Fans der ursprünglichen Serie als auch Neueinsteiger ansprechen. Der grandiose Erfolg könnte dazu führen, dass in 2012 mit Star Trek 2 ein weitere Film - diesmal in 3D - uraufgeführt wird.

Star Trek

Szene aus Star Trek (2009) - Paramount Pictures

Ein weiterer Meilenstein des Science Fiction war "Alien -  Das Umheimliche Wesen aus einer fremden Welt" (1979), der den Weltraum kalt, düster und lebensfeindlich darstellt. Auch Ridley Scotts Meisterwerk konnte dank tiefer Produktionskosten problemlos refinanziert werde - die Schauspieler waren dazumal unbekannt (darunter Sigourney Weaver, Tom Skerrit). Alien war der Gegenentwurf zu der grossen, bombastischen "Star Wars"-Welt: eng, begrenzt, klaustrophobisch und hat durch einige Schockeffekte die Kinobesucher ausser Atem gebracht. Der Schweizer Künstler H.R. Giger hat ein Set und eine Kreatur erschaffen, die dazumal ihres Gleichen suchte und wurde zu Recht mit dem Oscar belohnt. Zum Inhalt: Der Raumfrachter Nostromo, dessen Besatzung sich in einem künstlichen Tiefschlaf befindet, wird vom eigentlichen Kurs abgelenkt, da der Bordcomputer ein Signal empfangen hat. Die Besatzung wird geweckt, das Signal und die Abweichung vom Kurs wird kontrovers diskutiert. Doch Lt. Ellen Ripley (Sigourney Weaver), die das Signal eher als Warnung empfindet, wird schliesslich von Wissenschaftsoffizier Ash überstimmt.

Alien

Die Crew der Nostromo macht sich mit einer Landefähre auf den Weg, das geheimnisvolle Signal zu erkunden - 20th Century Fox

Die Besatzung landet daraufhin auf einem bislang unerforschten Planeten und entdeckt ein gestrandetes Raumschiff einer unbekannten, ausserirdischen Rasse, dessen Pilot aber schon seit längerem tot ist. In einem Raum werden schliesslich Eier einer Lebensform gefunden, aus denen unerwartet eine Larve schlüpft, die ein Crewmitglied anfällt. Die Person schwebt in Lebensgefahr, die Erkundung wird abgebrochen. Nach Tagen auf der Krankenstation und im Würgegriff der Larve, die dann abfällt, erholt sich das Besatzungsmitglied - nichts davon ahnend, dass im Innern des Körpers etwas weitaus gefährlicheres heranreift. Der Parasit verlässt während eines Frühstücks den Wirtskörper höchst unsanft, sucht das Weite, häutet sich und wächst schliesslich zu einem 2 Meter grossen Ungeheuer, das anschliessend die Nostromo unsicher macht. Das Konfliktpotential innerhalb der Mannschaft - bestehend aus einfachen Arbeitern, die nicht erfreut über den Umweg waren, und den Offizieren - nimmt rasch zu und während das Alien die Besatzung dezimiert, wird klar, dass Ash erstens ein Android ist und zweitens im Auftrag der Bergbaugesellschaft handelt, die im Sinn hat, den feindlichen Organismus auf die Erde zu bringen und zu erforschen - ohne Rücksicht auf das Überleben der Besatzung.

"Alien" hat wie Star Wars den Science-Fiction-Film revolutioniert und zählt definitiv zu den besten Filmen dieses Genre. Die Nachfolgefilme "Aliens", "Alien 3" und "Alien - Ressurection" besitzen jeweils unter anderer Regie ihre eigenen Blickwinkel, ergänzen aber den ersten Teil gut, so dass der Erwerb der "Alien Anthology"-Box durchaus empfohlen werden kann. Ausser man ist nervenschwach... Aliens ist actiongeladen, Alien 3 und Alien Ressurection besinnen sich wieder auf die ursprüngliche Atmosphäre zurück, wobei Ressurection schon storytechnisch deutliche Schwächen hat. Qualitativ deutlich schlechter sind allerdings die "Alien versus Predator"-Filme, in denen der Kampf zwischen den "Predators" und den "Aliens" - also zweier unterschiedlicher, ausserirdischer Rassen - auf die Erde der Jetztzeit verlegt wurde.

Ausserirdische Besucher

Science Fiction kann - wie die Filme der Sektion Weltraumabenteuer nahelegen - in einer fernen Galaxie oder in einer fernen Zukunft der Menschheit spielen. Als weitere Story-Option bietet sich an, den (Erst-)Kontakt der Menschheit mit ausserirdischen Besuchern zu besprechen, sei es in freundlicher ("E.T - Der Ausserirdische") oder in feindlicher Absicht. Die beiden Steven Spielberg-Filme "E.T." oder auch die "Unheimliche Begnegung der Dritten Art" zeigen die Ausserirdischen kindgerecht und relativ bunt und können so als direkte Fortsetzung einer eher optimistischen Science Fiction gesehen werden. Filme wie "Das Ding aus einer anderen Welt" von John Carpenter hingegen floppten an der Kinokasse, da die Splattereffekte doch relativ blutig ausfielen und die Story dem damaligen Zeitgeist nicht entsprach. Sowohl "E.T.", "Das Ding aus einer anderen Welt" als auch "Blade Runner" (wie "Alien" von Ridley Scott), der im Abschnitt "Neue Technologien" detailliert abgehandelt wird, starteten im Jahr 1982 in den Kinos. Doch die letzten beiden, relativ düsteren Werke hatten damals keine Chance an der Kinokasse. Mittlerweile sind aber einige Horrorfilm-Fans auf den Geschmack des "Ding" (The Thing) gekommen, was sich in den Bewertungen für Carpenters Film in der International Movie Database widerspiegelt. Interessant ist auch der Umstand, dass "Das Ding" zuerst mit FSK 16 freigegeben wurde, anschliessend doch auf dem Index landete und erst im Jahr 2009 nach erneuter Prüfung wieder FSK 16 erlangte. Somit wurde der Film höchst selten - und falls doch - in einer extremen Schnittfassung im Fernsehen gezeigt, was eventuell eine Legendenbildung heraufbeschwor, so dass einige Liebhaber von Horrorstreifen doch noch den Film für sich entdeckten. Doch Fans von Science-Fiction-Filmen werden womöglich weder mit Spielbergs Werken noch mit Carpenters Horrorfilm richtig glücklich.

Das Ding aus einer anderen Welt

Das "Ding aus einer anderen Welt" sucht sich Wirtskörper, kann unterschiedliche Gestalten annehmen, und terrorisiert die Bewohner einer US-Amerikanischen Forschungsstation in der Antarktis - Universal Pictures

Die eher martialischen Filme "Indepence Day" von Roland Emmerich mit Will Smith in der Hauptrolle, "Krieg der Welten" (War of the Worlds) - sowohl im Orginal als auch im Remake von Steven Spielberg - überzeugen eher tricktechnisch als mit der Story. Als Popcorn-Filme sind sie sicher vergnüglich, wenngleich Emmerichs Film z.B. mit seiner US-Rhetorik eher unfreiwillig unterhält. "District 9" unter Regie von Neill Blomkamp hingegen kann dem Standard-Plot einige Elemente hinzufügen, die nachdenklich stimmen, auch hinsichtlich der oftmals moralischen Überlegenheit der Menschlichen Rasse in den zuvor genannten Invasionsfilmen. Im Jahr 1982 kommt es zum Anflug eines riesigen Raumschiffs über Johannesburg, die Kommandokapsel trennt sich ab und das Schiff verbleibt wochenlang schwebend über den Häusern. Da eine Suche des Kommandomoduls erfolglos bleibt, entschliesst man sich, das Raumschiff doch zu öffnen. Zum Vorschein kommen verängstigte, unterernährte insektiode Wesen, für die ein Auffanglager - District 9 - eingerichtet wird, das sich bald zu einem Slum entwickelt. Unterdessen übernimmt das Sicherheitsunternehmen MNU (Multinational United) die Verantwortung für District 9. Die Firma hat ein grosses Interesse an der Waffentechnologie der Ausserirdischen, kann aber die Waffen nicht nutzen, da sie sich nur von den Trägern der ausserirdischen DNA aktivieren lassen. Als die Einwohner von Disctrict 9 in das grössere District 10 umziehen sollen, kommt der MNU-Mitarbeiter Wikus van de Merwe in Kontakt mit einer ausserirdischen Substanz, die seine DNA mutieren lässt. Die Metamorphose von Wikus vollzieht sich langsam und zu Beginn kann er seine Veränderungen noch geheim halten. Doch als Wikus zusammenbricht und in ein Krankenhaus eingeliefert wird, entführt ihn die MNU in ein geheimes Forschungslabor, um Versuche an ihm durchzuführen. Es stellt sich heraus, dass Wikus die Waffen nutzen kann. Doch bevor die MNU weitere Experimente am Körper des Mitarbeiters durchführen kann, gelingt ihm die Flucht. Er wird - auch aufgrund von Firmenpropaganda - zum meistgesuchten Individuum und muss sich verstecken: im District 9.

District 9

In "Disctrict 9" schwebt ein ausserirdisches Raumschiff über Johannesburg - Tri Star Pictures

Zeitreiseabenteuer

Zeitreiseabenteuer sind ein besonders faszinierender Zweig der Science-Fiction, da sie erlauben, eine mögliche Zukunft filmisch darzustellen, aber viel interessanter, philosophisch zu diskutieren, welche Auswirkungen eine Änderung der Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Prinzipiell wäre es möglich, dass ein Zeitreisender in der Vergangenheit vor seinem Geburtstermin seinen eigenen Vater oder die Mutter umbringt. Diese paradoxe Situation kann durchaus unterschiedlich aufgelöst werden, was in sehr sehenswerten Science Fiction-Filmen abgehandelt wird. Im Klassiker "The Time Machine" von H.G. Wells und dem darauf beruhende Film von 1960 ("Die Zeitmaschine" - The Time Machine) wird dieses Potential aber nicht ausgeschöpft. Stattdessen fokussiert sich die Geschichte auf die künftige Entwicklung der Menschheit und wird dadurch zur - trotzdem sehenswerten - Gesellschaftsutopie. In einem der besseren Zeitreiseabenteuer hingegen werden etliche Möglichkeiten ausführlich diskutiert und storytechnisch interessant umgesetzt - auch wenn der Film eine Komödie ist, so zählt "Zurück in die Zukunft" (1985, Back to the Future, Regie: Robert Zemeckis) zu einem der besseren Science-Fiction-Streifen mit dem Thema Zeitreise.

Zurück in die Zukunft

Doc Brown und Marty McFly (Christopher Lloyd) Marty McFly (Michael J. Fox) - Universal Studios

In "Zurück in die Zukunft" reist Marty McFly in einem von Wissenschaftler Dr. Emmett Brown zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean unbeabsichtigt vom Jahr 1985 ins Jahr 1955. In der Vergangenheit trifft er seine eigene Mutter, die sich statt in seinen Vater in Marty selbst verliebt. Martys Existenz ist nun bedroht, auf Familienfotos verschwinden seine Umrisse. Er muss also die Zeitlinie wieder korrigieren und vor allem wieder in das Jahr 1985 zurückgelangen, was 1955 nur unter Mithilfe des 30 Jahre jüngeren Emmett Brown gelingt. Der Film ist überaus gelungen inszeniert, das Timing stimmt, kleinere Geschichten z.B. um die Rivalität der Familie McFly mit den Tannens (vor allem Biff Tannen), werden geschickt eingebunden, und entwickeln sich in den 2 nachfolgenden Filmen zu richtigen Running Gags, die oftmals zünden.

In Terry Gilliams "12 Monkeys" (1995) wird das Thema ein wenig skurriler, aber trotzdem mitreissend angepackt: Eine Virenpandemie tötet im Jahr 1996 die Mehrheit der Menschen. Im Jahr 2035 leben die letzten Überlebenden unter erbärmlichen Bedingungen in Schutzräumen unter der Erde. Darunter der Häftling James Cole (Bruce Willis), der auserkoren wird, auf Missionen Proben von der Erdoberfläche zu sammeln. Schliesslich gewährt man ihm einen Straferlass, wenn er durch eine archaisch anmutende Zeitreise-Vorrichtung ins Jahr 1996 zurückreist und das nicht mutierte Original-Virus beschaffen kann. Die Zeitreise-Vorrichtung funktioniert aber nicht korrekt, so wird Cole zuerst ins Jahr 1990 zurückversetzt, wo er durch seine panischen Erklärversuche für verrückt erklärt, erst einmal in ein Irrenhaus eingeliefert und unter starke Beruhigungsmittel gesetzt wird. Dort lernt er die Irrenärztin Kathryn Railly (Madeleine Stowe) und den Verrückten Jeffrey Goines (Brad Pitt) kennen. Da Coles Möglichkeiten eingeschränkt sind, die Wissenschaftler in der Zukunft zu kontaktieren (ursprünglich war geplant, ihn kurz vor Ausbruch der Pandemie auf einen Anrufbeantworter sprechen zu lassen, und die Nachrichten so über die Jahrzehnte zu speichern, was allerdings in 1990 noch nicht funktionierte), folgt für ihn eine Kraftanstrengung über mehrere Jahrzehnte. Aus dem Jahr 1990 wird er aufgrund einer Verwechslung rein zufällig zurückgeholt, dann in den ersten Weltkrieg versetzt und anschliessend verwundet in das tatsächlich gewünschte Jahr 1996, wo er erneut von Kathryn Railly behandelt wird. Erst langsam erkennt die Irrenärztin, dass Coles Geschichte doch wahr sein kann: so entdeckt sie ein Foto von Cole aus dem 1. Weltkrieg. Doch mittlerweile denkt Cole selbst, er wäre geisteskrank - ermüdet durch zahllose Rückholversuche und Zeitsprünge ausgelöst durch die Wissenschaftler in der Zukunft. Unterdessen scheint der genesene Jeffrey Goines die Prophezeiungen von Cole erfüllen zu können...

Twelve Monkeys

Cole trifft sechs Jahre später nochmals auf Dr. Railly - diesmal mit einer Verwundung aus dem 1. Weltkrieg - Universal Pictures

Terry Gilliams Film überzeugt durch ironische Kommentare, eine irre Handlung, die etliche Zeitparadoxien auslöst und gehört damit zu Recht zu den besten Zeitreiseabenteuer-Filmen, die bislang gedreht wurden. In seinem früheren Werk "Brazil" (siehe Gesellschaftsutopien) ist die Optik und Rahmenhandlung sogar noch bizarrer.

Eine weitere, etwas düstere und actionreiche Filmreihe, in der ein Android durch die Zeit reist, um die Zukunft der Menschheit zu verändern, ist "Terminator" (The Terminator) und "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" (Terminator 2 - Judgement Day) - beides absolut empfehlenswerte Filme. Auch "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" (Terminator 3 - Rise of the Machines) kann noch überzeugen. Ausgangslage für "Terminator" ist die Übernahme der Macht auf der Erde durch das Computernetz "Skynet" im Jahr 2029. Ein Atomschlag tötet die meisten Menschen, nur wenige organisieren sich im Widerstand unter John Connor als ihrem Führer. Sie kämpfen z.B. gegen Kampfroboter, sogenannte "Terminatoren", da Skynet alle Menschen auslöschen will. Die Maschinen nutzen schliesslich ein Zeitreiseportal, um einen Terminator T-800 - gespielt von Arnold Schwarzenegger - ins Jahr 1984 zu schicken, der Sarah Connor - Johns spätere Mutter - töten und damit verhindern soll, dass John geboren wird. Doch auch dem Widerstand gelingt es, mit Kyle Reese einen Kämpfer in die Vergangenheit zu schicken. Während der Terminator systematisch alle Sarah Connors tötet, besitzt der Widerstandskämpfer ein Foto der richtigen Zielperson. Kyle trifft auf Sarah, sie zeugen John, und der Terminator ist ihnen auf den Fersen...

Der Terminator

Arnold Schwarzenegger als leicht angekratzter Terminator im ersten Film der Reihe - Metro-Goldwyn-Mayer

Ein weiteres Paradoxon ist, dass die Firma Cyberdyne, die an der Entwicklung von Skynet beteiligt war, erst aus gefundenen Bestandteilen des T-800 die neuen Technologien entwickeln kann. Dies wird in "Terminator 1" kurz thematisiert, kommt aber erst in den weiteren Teilen der Serie detailliert zur Sprache. Der erste Film - mit einem Budget von 6 Mio Dollar ein B-Movie - entwickelt rasch Kultstatus und ist für Arnold Schwarzenegger der Startschuss zu seiner Karriere - auch wenn er nur wenige Sätze sagt - darunter "I'll be back". Doch wirklich zurück kehrt er erst 7 Jahre später - in Terminator 2 - wie Teil 1 gedreht von James Cameron, aber diesmal mit deutlich verbesserten CGI-Effekten und einem Filmbudget von damals erstmalig über 100 Mio. USD.

Terminator 2

Terminator 2 glänzt durch deutlich verbesserte, computergenerierte Effekte - TriStar Pictures

Terminator 2 bietet eine sehr actiongeladene, temporeiche Handlung, die durch die massiv eingesetzte Tricktechnik aber gut unterstützt wird. Sowohl Sarah Connor - die zu Beginn des Films wegen ihrer Vorstellungen des drohenden Weltunterganges und des Terminators in einem Irrenhaus festgehalten wird - als auch ihr Sohn müssen sich zuerst damit anfreunden, dass ein Terminator T-800 Modell (somit wieder Arnold Schwarzenegger) von den Rebellen in der Zukunft umprogrammiert und in die Vergangenheit geschickt wurde, um John und Sarah zu schützen. Der Gegner ist diesmal das Nachfolgemodell T-1000 aus flüssigem Metall, das Waffen aus seinen eigenen Gliedmassen formen und unterschiedliche Gestalten annehmen kann. Daraus entwickeln sich einige gefährliche Situationen und Kämpfe, die die Nerven der Zuseher strapazieren. Fast erholsam ist die  "extended Version" des Filmes auf DVD und Blu-Ray Disc, in der in 15 Minuten mehr Material einige philosophisch angehauchte, aber auch thematisch passende Diskussionen geführt werden, in denen z.B. John ergründet, ob der Terminator T-800 Gefühle besitzt.

Neue Technologien

Die Wachowski-Brüder entwickelten Ideen aus "Terminator" weiter zu einer völlig neuen Welt in ihrem Werk "Matrix" (2003), in dem Menschen sich im Kampf gegen intelligente, solarbetriebene Maschinen entschieden, die Erde völlig einzudunkeln. Die Maschinen allerdings entdecken, dass sie Menschen als Energiequelle nutzen können und halten fortan tausende Individuen in riesigen Zuchtfarmen. Für optimale Bedingungen sorgt eine Simulation, in der sich die verkabelten Menschen wie in einer realen Umgebung fühlen: die Matrix. Die Matrix wird durch Programme kontrolliert, darunter die "Agenten", die in der virtuellen Umwelt mit übermenschlichen Kräften ausgestattet sind, um Störungen in der Matrix beseitigen zu können. Solche Störungen werden hervorgerufen durch den Widerstand der letzten unversklavten Menschen, die sich in der unterirdischen Stadt Zion verstecken. Darunter sind Menschen wie Morpheus (Laurence Fishburne), die den wahren Charakter der Matrix kennen, und die sich den Gefahren aussetzen, in fliegenden Schiffen Zion zu verlassen, mittels Kabelverbindung in die Matrix einzuloggen und dann innerhalb der Matrix von den Agenten als auch ausserhalb der Matrix durch die real existierenden Maschinen gejagt zu werden. Sobald ein Individuum in der Matrix stirbt, so stirbt auch der verkabelte Körper. Doch Morpheus und seine Mannschaft nehmen diese Gefahren auf sich, weil sie fest an an den Erlöser glauben: ein Individuum, das in der Lage ist, den Widerstand der Menschen zu organisieren und schliesslich die Maschinen zu besiegen. Morpheus stösst schliesslich auf einen vielversprechenden Kandidaten in Person des Programmierers Thomas A. Anderson (Keanu Reeves), der den Job natürlich nur virtuell in der Matrix ausübt, und abends Computersysteme hackt. Anderson findet einige Ungereimtheiten in seinem Leben und entschliesst sich über das Internet Kontakt mit der Untergrundbewegung "Morpheus" aufzunehmen. Trinity, ein Mitglied der Mannschaft von Morpheus stellt den Kontakt zu Morpheus her. Anderson wird nun von Morpheus vor die Wahl gestellt, die wahre Natur der Matrix kennenzulernen oder ein Teil der Matrix zu bleiben. Dies wird versinnbildlicht durch zwei Pillen: eine blaue oder eine rote Pille. Anderson entscheidet sich für die rote Pille und wird schliesslich aus der Matrix befreit. Ein intensives Trainingsprogramm macht aus Anderson den Kämpfer mit dem Namen "Neo", der sich in die Matrix einloggen kann und dort gegen Agenten kämpft, aber auch die Ordnung der Matrix ergründet. Neo lernt schliesslich, die Matrix zu beeinflussen und wird dadurch innerhalb der Matrix unverwundbar.

Matrix

Neo wird innerhalb der Matrix in einen Kampf verwickelt - Warner Brothers

In den Fortsetzungen "Matrix Reloaded" und "Revolutions" wird die eigentliche Story aber nicht zügig weiterentwickelt, sondern eher philosophisch Funktionen innerhalb der Matrix ergründet. Die oftmals verwirrenden Handlungsstränge werden nicht zu einem sinnvollen Abschluss gebracht, was in einem weiteren Sequel korrigiert werden soll. Bis dahin gilt, sich auf den tricktechnisch und optisch gelungenen Teil 1 zu fokussieren.

In Christopher Nolans visionärem Science-Fiction-Film "Inception" (2010) gelingt es Dominick Cobb (Leonardo DiCaprio) sich in die Träume anderer einzuklinken. Lediglich Cobb als "Extraktor" (der den Traum extrahiert und in einer Art Tagtraum wahrnimmt), ist sich dessen bewusst und kann Träume gezielt manipulieren. Einer seiner Kunden bietet Cobb den Auftrag an, sich in die Traumwelt des Erben eines Konkurrenzunternehmens einzuklinken und denjenigen dazu zu bringen, sein geerbtes Unternehmen aufzuteilen. Diese gezielte Manipulation wird als "Inception" bezeichnet. Im Gegenzug verspricht man Cobb, würde man ihm bei den Mordvorwürfen beistehen, die gegen ihn in den USA im Zusammenhang mit dem Tod seine Frau erhoben werden. Cobb stellt sich schliesslich ein Team zusammen, um gemeinsam in die Traumwelten des Opfers einzudringen.

Inception

Cobb befindet sich in einer surrealen Traumwelt - Warner Brothers

"Inception" bietet eine ausgeklügelte, teilweise verwirrende und ineinander verschachtelte Konzeption aus unterschiedlichen Traumwelten ("Traum im Traum"), in der die Protagonisten immer gefährdet sind, beim Tod in tieferen Traumebenen nicht mehr aufzuwachen.

In Michel Gondrys "Vergiss mein Nicht!" (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, 2004) mit den überzeugend spielenden Jim Carrey als Joel Barish und Kate Winslet als Clementine, wird die direkte Gedankenmanipulation thematisiert. Joel wacht zu Beginn des Films benommen auf, geht zur Arbeit, entscheidet sich dann aber um und fährt stattdessen zum Strand, wo er auf Clementine trifft, und sie lernen sich kennen. Die Frau übernimmt die Initiative, Joel als relativ vorsichtiger Mensch lässt sich aber mitreissen. Während sich die Liebe zart entwickelt und Joel in einem Fahrzeug auf seine Clementine wartet, taucht plötzlich ein Unbekannter auf, der genervt "kann ich Ihnen helfen" fragt. Es folgt nun ein Schnitt im zeitlichen Ablauf, Michel Gondry erzählt die Vorgeschichte: nämlich wie Clementine Joel verlässt und wie er dadurch zu einem bedauernswerten Gesellen wird. Nachdem Clementine die Gegensätze zu Joel nicht aushält, entschliesst sie sich, die Gedanken an Joel löschen zu lassen, mitsamt dem Funken Liebe, den sie noch immer empfindet. Joel, der davon nichts weiss, will Clementine ein Geschenk machen, kommt in die Buchhandlung, in der sie arbeitet und trifft eine Frau an, die ihn nicht erkennt. Dann flirtet sie noch mit einem völlig Fremden. Schliesslich findet Joel zufällig die Informationen der Firma "Lacuna", die die Erinnerungen von Clementine an ihn gelöscht hat, und entschliesst sich, die selbe Behandlung durchführen zu lassen. Nun kann sich Regisseur Michel Gondry austoben: in Joels Behandlung treten Fehler auf, die Mitarbeiter, welche die Löschung durchführen, sind selbst nachlässig beziehungsweise in Liebesaffären untereinander verwickelt. Diese Verquickungen werden in unterschiedlichen Rahmenhandlungen geschickt miteinander verknüpft, haben aber auch auf die gerade laufende Löschung mit Joel einen Einfluss: er entscheidet sich in seiner Gedankenwelt um und versucht eine Erinnerung an Clementine - oder besser einen versteckten Hinweis - aufrecht zu erhalten. Gondry schafft hier ein eigenes Universum aus Kindheitserinnerungen, Gedanken an Clementine und Fremdeinflüssen von den Mitarbeitern, die die Löschung durchführen, das absolut visionär ist. Diese "Liebesfilm-Tragikomödie" ist aufgrund ihrer sehr emotionalen Handlung mitreissend und bringt den Wert persönlicher Erinnerungen auf den Punkt, weshalb der Film für jedermann eine Offenbahrung ist, egal ob hier eine Technologie thematisiert wird, die so nicht existiert.

Vergiss mein nicht!

Die Behandlung findet in Joels gewohnter Umgebung statt - während er schläft - Warner Brothers

Abseits von künstlicher Intelligenz, virtueller Welten und Gedankenmanipulation bietet auch die Gentechnik Stoff für interessante Filme: Im aussergewöhnlich düsteren Ridley Scott Film "Blade Runner" mit Harrison Ford in der Hauptrolle als Rick Deckard und Rutger Hauer als Roy Batty - sein Gegenspieler - ist die Herstellung von künstlichen Lebewesen ein Hauptthema. Längst siecht die Erde dahin, die Luft in den Megastädten ist verpestet, die Menschen im überbevölkerten Los Angeles sind moralisch degeneriert. Besonders kräftige, künstliche Menschen - sogenannte Replikanten - werden daher eingesetzt, um ferne Planeten bewohnbar zu machen. Ihnen ist aufgrund ihrer besonderen Stärke verboten, auf die Erde zurückzukehren, zudem wurde die Lebensdauer der Replikanten von ihrer Herstellfirma - der Tyrell Company - auf vier Jahre begrenzt. Um sie besser kontrollieren zu können, wurden ihnen zudem künstliche Erinnerungen eingepflanzt. Doch selbst die Androhung der Todesstrafe kann einige Replikanten nicht davon abhalten, zur Erde zu reisen, um ihre Herkunft zu ergründen.

Eine spezielle Abteilung der Polizei, die "Blade Runner" nehmen sich des Problems an und versuchen, innerhalb der Menschen Replikanten ausfindig zu machen und sie zu eliminieren. Mit Hilfe des "Voight-Kampff-Tests" gelingt es tatsächlich, einen der Replikanten aufzuspüren, der in einem gekaperten Raumschiff zusammen mit drei weiteren Replikanten zur Erde gelangt ist. Doch der identifizierte Replikant kann fliehen und die ganze Gruppe wird alsbald von Rick Deckard gejagt. Der Zuschauer taucht nun zusammen mit Deckard in den seltsamen, multikulturellen Kosmos dieser modernen Stadt ein. Ein Universum von skurrilen Gestalten, fremdartiger Sprache (Cityspeak), kleinen Biotechfirmen, die Tiere züchten oder sich auf menschliche Augen spezialisieren, die später den Replikanten eingesetzt werden. Der Film ist hier ein opulentes Meisterwerk, das auch bei wiederholtem Sehen einige neue Details offenbart.

Deckard trifft im Zuge seiner Recherchen in der Tyrell Company auf den Firmengründer gleichen Namens sowie die Angestellte Rachael, über die er später erfährt, dass sie selbst eine Replikantin ist. Schon längst in Rachael verliebt, stellt sich Deckard nun die Sinnfrage seiner Jagd. Schliesslich erörtert er Rachael, dass ihr Dasein auf Lügen beruht, was für Rachael schmerzhaft zu realisieren ist, ging sie immer von einer behüteten Kindheit aus. Die Situation für Deckard verschlimmert sich, da Rachael auf die Todesliste der Polizei gerät. Unterdessen versuchen sich die Replikanten über den Genetik-Designer Sebastian Zugang zur Tyrell Company zu verschaffen und ihren Schöpfer zur Rede zu stellen, was ihnen schliesslich gelingt. Doch als Roy eröffnet wird, dass die Uhr keineswegs neuprogrammiert werden kann, bringt der Anfüherer der Replikanten sowohl Sebastian als auch Tyrell um. Die Replikanten verschanzen sich nun in Sebastians Wohnung und es kommt zum nervenaufreibenden Showdown mit Deckard.

Blade Runner

Ridley Scotts Setdesign zeigt eine unwirkliche, schmutzige Grossstadt im Jahr 2019 - mit allgegenwärtiger Werbung und hellen Lichteffekten wird eine paranoide Grundstimmung generiert - Warner Bros. Entertainment

Blade-Runner hat sowohl bioethische als auch gesellschaftliche Fragestellungen aufgeworfen und war 1982 seiner Zeit weit voraus. Leider wurde das für Zuschauer in Testvorführungen zu düstere, offene Ende durch eine Szene in einem Wald ersetzt, in der ein Voice-Over ein Happy-End erläutert, das nicht im Sinne von Ridley Scott war. Im Director's Cut wurde das offene und auch verstörende Ende restauriert, was den Film allgemein wieder stimmiger machte.

Gesellschaftsutopien

In Stanley Kubricks äusserst drastischen und schockierenden Film "Uhrwerk Orange" (A Clockwork Orange, 1971) - wird eindringlich vor Augen geführt, wie brutal Bandenkriminalität sein kann und weitaus schlimmer, dass nicht alle Therapiemethoden und Lösungsmöglichkeiten einer Gesellschaft, diesem Problem Herr zu werden, wirklich die richtigen sind. Als der Film entstand, existierten in England bereits organisierte Banden, ausserdem wurde der Wert der Psychotherapie in der Öffentlichkeit diskutiert. 1962, zum Zeitpunkt des Erscheinens von Anthony Burgess' Romanvorlage, waren die Gegebenheiten in "A Clockwork Orange" noch deutlich unvorstellbarer. Kubrick zeigt eine immense Gewaltbereitschaft bei den Jugendlichen und untermalt die Mitleidslosigkeit seines gewaltbereiten Antihelden Alex noch mit klassischer Musik. In Verbund mit der drastischen Therapieform und ihrer Auswirkung auf Alex, kann "Uhrwerk Orange" als eine eindringliche Warnung von Kubrick an die Gesellschaft gesehen werden, sich um die Eingliederung der jungen Generation zu bemühen, statt wegzuschauen oder mit ungeeigneten Methoden zu versuchen, Personen umzupolen.

Alexander DeLarge (Malcolm McDowell) wird mit der "Ludovico-Technik" behandelt - Warner Bros. Entertainment

Alex ist der Anführer einer gewaltbereiten Jugendbande, die prügelnd und vergewaltigend durch Londons Vororte streift. Er empfindet kein Mitleid mit seinen Opfern. Wenn er zu Werke geht und Leute zu Krüppeln schlägt, hat er oftmals sogar ein Lied auf den Lippen. Doch scheint seine Macht innerhalb der Gruppe zu schrumpfen: Er verletzt die gegen ihn aufbegehrenden Bandenmitglieder und hält nach der Zurechtweisung eine kumpelhafte Ansprache. Doch beim nächsten Raubüberfall wird Alex sowohl vom Opfer als auch von den eigenen Kumpanen verletzt und zurückgelassen, so dass ihn die Polizei fassen kann. Alex wird als Mörder zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt, erschafft sich aber einen Vorteil beim Gefängnisgeistlichen, indem er sich reumütig zeigt: Auf Bitten des Pastors darf Alex nun als Versuchsteilnehmer bei der "Ludovico-Technik" teilnehmen und erhält einen Straferlass. In zwei Wochen Therapiedauer - so die Wissenschaftler - soll eine vollständige Resozialisierung möglich sein. Am Ende der Behandlung empfindet Alex eine Aversion - also richtigen Ekel - vor Gewalt und Sex. Auch Beethovens Neunte, Alex' ehemalige Lieblingsmusik, erzeugt nun denselben Würgereiz: Sie wurde als Hintergrundsmusik der Therapie genutzt. Als geheilt entlassen, versucht er zuerst bei seinen Eltern unterzukommen, doch sein Zimmer wurde bereits untervermietet. Allein in der Stadt unterwegs, trifft er nun auf einen Bettler, den er vor einigen Jahren in der Gruppe zusammenschlug. Zusammen mit anderen Obdachlosen entladen sie ihre Wut an Alex, der sich nicht mehr zur Wehr setzen kann. Jeder Gedanken an Gewalt erzeugt in ihm einen Brechreiz. Auch die anrückende Polizei entpuppt sich nicht als Freund und Helfer: es sind die zwei Kollegen aus der aufgelösten Bande, die er einst zurechtwies, die nun Hüter des Gesetzes sind. Nun beginnt für Alex ein Martyrium, das seinesgleichen sucht.

Sowohl "Uhrwerk Orange" aber mehr noch "Blade Runner" zeigen eine Gesellschaft Nahe ihres Zusammenbruchs, in der die Ordnung dem Chaos weicht. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: Dass ein Staat seine Bürger vollständig überwacht (wie in Orson Welles Buch "1984", das 1984 verfilmt wurde), oder wie in "Brazil" (1985) von Terry Gilliam, in dem Ministerien völlig sinnlose Dekrete erlassen, unbescholtene Bürger zu Tode foltern und Witwen für die Kosten der Folterungen aufkommen lassen. "Brazil" wirkt in vielen Szenen völlig absurd, ist aber im Prinzip eine Satire auf das Verhältnis zwischen Bürgern und der für sie zuständigen Behörden und Ämter. Details wie die Gebäudeinstallationen des Filmhelden Sam Lowry (Darsteller: Jonathan Pryce) wirken hingegen einfach nur irre, aber spielen ihr komisches Potential grandios aus, als sie repariert werden sollen. Viele weitere Ideen, wie die dekadenten Frauen, die sich nahezu permanent Schönheitsoperationen gönnen, die ständigen Forderungen an Sam seitens seiner Mutter, sich innerhalb des Ministeriums einen besseren Job zu suchen, machen den Film zu einem wahnsinnig interessanten Sehvergnügen. "Brazil" spitzt sprachlich und auch optisch zu, was jedem Zuschauer aus eigenen Erfahrungen bekannt ist, hat dabei aber einen eigenen völlig verworrenen Charme. Doch auch der Kampf des Freiheitskämpfers Tuttle (Robert De Niro) im eigentlichen Plot, seiner Nachbarin Jill Layton (Kim Greist) und schliesslich auch Sam, der sich vom Ministeriumsbeamten langsam zum Freiheitskämpfer entwickelt, ist absolut sehenswert und hält einige Verstrickungen bereit.

Brazil

Eine "Schönheitsoperation" in Brazil in typischer Terry-Gilliam-Optik - Embassy International Pictures

Nach den kruden Fortsetzungen zu Matrix gelang den Wachowski-Brüdern - diesmal als Drehbuchautoren und Produzenten - mit "V wie Vendetta" (V for Vendetta, 2006) unter Regie von James McTeigue noch einmal ein Genre-Meisterwerk. In "V wie Vendetta" wählt die Bevölkerung in Grossbritannien mit der faschistischen Norsefire-Partei und dem autokratischen Grosskanzler Adam Sutler das vermeintlich kleinere Übel - tobt doch seit Jahren in den USA ein Bürgerkrieg. Doch Sutler schaltet die Medien gleich, ungemütliche Personen werden verhaftet und verschwinden. Einzig V (Hugo Weaving), in den Augen des Regimes ein Terrorist, legt sich mit der herrschenden Klasse an und tötet Parteifunktionäre. Bei einer seiner Aktionen gerät die junge Evey Hammond (brillant gespielt von Natalie Portman) in Lebensgefahr, V bringt sie in sein Versteck. Es entwickelt sich nun ein "Katz-und-Maus"-Spiel zwischen V, Evey und dem Regime mit der alles entscheidenden Frage: wird es V gelingen, sowohl Evey als auch den Grossteil der Bevölkerung von Grossbritannien hinter sich zu versammeln, um das Regime um Sutler zu stürzen? Einige der Methoden, die V hierzu verwendet, sind gewiss fragwürdig, insbesondere, was er Evey selbst antut, um sich ihrer Loyalität sicher zu sein. Daher bietet "V wie Vendetta" neben einer interessanten Handlung etlichen Gesprächstoff.

V wie Vendetta

V und Evey befinden sich in V's Versteck - Warner Bros. Entertainment

Auch im letzten Film, der hier besprochen wird, ist die Utopie keineswegs positiv. In WALL-E, einem unglaublich düsteren und bemerkenswerten Animationsfilm aus dem Hause Pixar, verlassen die Menschen die zugemüllte Erde, lassen aber einige Roboter zurück, die den Planeten aufräumen sollen. WALL-E, als letzter, nach 700 Jahren noch immer funktionsfähiger Roboter ist besonders zäh und konnte sich weiterentwickeln. Nun kann er sich selbst reparieren, sammelt interessante Gegenstände und will die Liebe finden. Dies wäre ein Beweis, dass er ein hochentwickeltes Lebewesen ist. Dann trifft EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) ein, um zu überprüfen, ob die Erde wieder bewohnbar ist, und WALL-E verliebt sich prompt in den Roboter. Doch EVE sucht lediglich nach photosynthesefähigen Pflanzen, die sie tatsächlich in WALL-Es Sammlung findet. EVE hat ihre Mission erfüllt, schaltet sich ab und wird von einem Raumtransporter abgeholt. WALL-E kann ihr folgen und beide treffen im Raumschiff Axiom ein: das Zuhause für die degenerierte Menschheit, die nach 700 Jahren Schwerelosigkeit fettleibig geworden ist. Es gilt, den Kapitän des Schiffes, sowie den Bordcomputer zu überzeugen, dass die Erde wieder besiedelt werden kann - doch das stellt sich enorm schwierig dar.

Wall-E

WALL-E - alleine auf der zugemüllten Erde - Disney/Pixar

Auch wenn der Film in den ersten 40 Minuten stumm die vermüllte Umgebung von WALL-E und seines Freundes (eine Kakerlake) zeigt, so kommt klar und offen zur Sprache, wohin unsere Gesellschaft hinsteuern könnte. WALL-E bildet daher einen Kontrastpunkt zur fröhlichen, bunten und völlig unbedarften Disney-Welt. Trotzdem gibt es auch in diesem Film ein Happy-End für alle...

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