Die besten Filmdramen aller Zeiten

Emotionale Szenen schwieriger Situationen: Filmdramen fokussieren sich auf das menschliche Miteinander.

Hochemotionale Momente

Das Filmdrama ist ein thematisch breites, populäres Filmgenre. Ein Filmdrama konzentriert sich mehrheitlich auf tiefgehende Charakterstudien, -Entwicklungen und -Interaktionen sowie auf ernste und emotionale Themen.

Justizdramen

"Die Verurteilten" (The Shawshank Redemption, 1994) ist ein Gefängnisdrama unter Regie von Frank Darabont nach einer Novelle von Stephen King, das die Freundschaft zwischen dem zu lebenslanger Haft verurteilten Bankmanager Andy Dufrene (Tim Robbins) und seinem Mithäftling Ellis Boyd "Red" Redding (Morgan Freeman) beschreibt. Andy wird in einem auf Indizien beruhenden Mordprozess aufgrund des Todes seiner Frau fälschlicherweise verurteilt und hat es im Gefängnis von Shawshank zu Beginn seiner Haft unter den Schwerverbrechern nicht leicht. Übergriffe durch Mitgefangene und Aufseher stehen an der Tagesordnung. Langsam verschafft sich Andy Respekt und gewinnt Red, einen zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder, als Freund. Andy beginnt auch Wärter in Steuerfragen zu beraten und hilft dem Gefängnisdirektor bei seinen illegalen Geschäften. Als Andy mit Hilfe einer dritten, inhaftierten Person beweisen könnte, unschuldig zu sein, lässt der Gefängnisdirektor diese Person schliesslich ermorden...

Die Verurteilten

Andy Dufrene (Tim Robbins) und Red (Morgan Freeman) im Innenhof des Gefängnisses - Castle Rock Entertainment

Das sehr anrührende Drama von Frank Darabont ist trotz seiner Laufzeit aufgrund der schauspielerischen Leistung von Robbins und Freeman absolut sehenswert. Die "Lebenslange Freundschaft" als zentrales Thema des Dramas wird ausgezeichnet dargestellt - auch in dem zugegebenermassen etwas kitschigen Ende. Ein weiteres Gefängnisdrama von Frank Darabont - "Green Mile" - wird im Abschnitt "Fantasy-Dramen" besprochen.

"Die zwölf Geschworenen" (12 Angry Men, 1957) ist Sidney Lumets Regiedebüt. In dem Gerichtsdrama mit Henry Fonda in der Hauptrolle als Geschworener Nr. 8 soll ein Puerto Ricaner wegen einer tödlichen Messerattacke zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt werden. Das Urteil der Jury muss einstimmig gefällt werden. Doch Geschworener Nr. 8 hat Zweifel und plädiert auf unschuldig - trotz des Versuches der Umstimmung durch andere Geschworene, die darauf erpicht sind, den Prozess so schnell wie möglich zu beenden. Gegen einige Proteste widerlegt Nr. 8 nun Punkte des Tathergangs und stellt die Beweisführung der Staatsanwaltanwaltschaft in Frage...

Die zwölf Geschworenen

Die zwölf Geschworenen nehmen gegensätzliche Haltungen ein - United Artists

Der sehr interessante Film zeigt Gruppen- und Rollenverhalten sowie Gruppendynamische Prozesse in Perfektion. Dialoge und Körpersprache sind detailliert herausgearbeitet und werden von den hervorragenden Akteuren in der Enge des Besprechungszimmers hervorragend umgesetzt. Der Streifen bietet reichlich Humor und Spannung, auch wenn - als Kammerstück angelegt - Actionelemente fehlen.

Kriminaldramen

In "Der Pate" (The Godfather, 1972) verarbeitet Fancis Ford Coppola das gleichnamige Buch von Mario Puzzo und zeigt das Wirken des fiktiven Don Vito Corleone (Marlon Brando), der als einer der mächtigsten Mafiabosse in New York, seine Interessen mit blutigen Methoden durchdrückt. So wird der Bitte an einen Filmproduzenten Nachdruck verliehen, einen Bekannten von Don Vito im nächsten Streifen mitspielen zu lassen, indem der abgetrennte Kopf des Lieblingspferdes unter die Bettdecke gelegt wird. Als nach dem zweiten Weltkrieg die anderen Mafiafamilien in der Stadt in den Drogenhandel einsteigen, weigert sich Don Vito, seine guten Kontakte zu Politik und Wirtschaft mit ihnen zu teilen. Das Drogengeschäft erscheint ihm zu schmutzig. Darüber erbost, zetteln die anderen Familien einen Rachefeldzug an. Ein erster Mordversuch an Don Vito misslingt, doch der nachfolgende Mafiakrieg wird blutig und fordert auf allen Seiten einen hohen Tribut. Schliesslich muss Michael (Al Pacino), Vitos jüngster Sohn - der eigentlich eine bürgerliche Laufbahn hätte anstreben sollen - den Platz des toten Vaters übernehmen...

Der Pate

Marlon Brando als Mafia-Pate - Paramount Pictures

Im ebenso starken "Der Pate - Teil II" (The Godfather Part II) strebt Don Michael nach neunen Einflussmöglichkeiten, z.B. in den Casinos von Las Vegas und Havanna. Er kommt damit allerdings dem Gangster Hyman Roth (Lee Strasberg) in die Quere, der daraufhin auf Frankie Pentangeli - einem Mitglied der Corleone-Familie einen Mordanschlag verübt. Weil sich Frankie im Stich gelassen fühlt, kooperiert er mit den Strafverfolgunsbehörden und der Familienrückhalt scheint generell zu schwinden... In Rückblenden wird die Geschichte der Familie Corleone dargelegt. Der junge Vito Andolino (nun gespielt von Robert de Niro) muss miterleben, wie sine Familie im sizilianischen Dorf Corleone vom örtlichen Grossgrundbesitzer erschossen wird. Seine Verwandten helfen ihm, in die USA zu fliehen, wo er aufgrund eines Fehlers mit dem Nachnahmen "Corleone" registriert wird.

"Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" (Good Fellas, 1990) ist Regisseur Martin Scorseses Antwort auf Ford Coppolas "Der Pate". Doch wohingegen "Der Pate" die Mafia geschönt präsentiert, zeigt "Good Fellas" die dreckige Wahrheit - zumindest eine, die den Aussagen in diversen Gerichtsprotokollen nahe kommt - wie sie im Buch "Wise Guy" von Nicholas Pillegi verarbeitet wurden, der später auch das Drehbuch zu "Good Fellas" verfasste. Der Film zeigt schonungslos, wie der Junge Henry Hill sich mit Gelegenheitsjobs für die Mafia hocharbeitet, bis er von einem Zirkel der fünf Mafia-Familien in New York akzeptiert wird. Nun gelten für ihn die Regeln der Good Fellas wie "Verrate niemals einen Freund", und er kann sich dank besserer Jobs einen unbekümmerten Lebensstil leisten. Schliesslich verliebt sich die hübsche Karen Hill (Lorraine Bracco) in ihn, da er ihr sichtlich imponiert. Sie wird allerdings einige Schattenseiten von Henry kennenlernen.

Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia

Henry Hill sitzt zum ersten Mal im Knast und erhält Besuch von seiner Familie - Warner Brothers

Zu Henrys Kreis von Freunden zählen der ältere Jimmy Conway (Robert de Niro) und Tommy DeVito (Joe Pesci), dessen Ziel es ist, als Vollmitglied der Cosa Nostra aufgenommen zu werden. Sowohl Jimmy als auch Henry können als Halb-Iren diesen Status nicht erlangen; so bauen sie auf Tommy, der sie aber das eine oder andere Mal durch seine Jähzornigkeit in schwierige Lagen bringt. Als Jimmy und Henry einen Schuldner misshandeln, werden sie verhaftet und erhalten Gefängnisstrafen. Hier lernt Henry das Drogengeschäft kennen, das er nach seinem Aufenthalt - trotz des Verbots seines väterlichen Mafia-Mentors Pauli - weiter ausbauen kann. Tommy und Jimmy steigen in das Geschäft mit dem Rauschgift ein, doch ihr grösster Coup wird der Diebstahl von 6 Mio USD aus dem Frachtraum der Lufthansa innerhalb des Flughafens JFK. Hier zeigt sich, dass auch Jimmy konsequent sein kann: Er duldet nämlich nicht, dass die Handlanger ihren Teil der Beute in auffälliger Weise sofort verprassen und ermordet hinterrücks einige Helfer. In den Folgejahren verliert Henry aufgrund eigenen Drogenmissbrauchs zunehmend die Kontrolle und wird von den Kollegen immer mehr als Risiko gesehen...

Laut Aussagen des im Film portraitierten Henry Hill, der den Schauspielern beratend zur Seite stand, sind viele Charakteren - wenngleich unter leicht modifizierten Namen - äusserst akkurat dargestellt. So scheint Tommy sehr überzeichnet, doch in Wahrheit soll Thomas DeSimone - auf dem Tommy basiert - noch deutlich brutaler und gewissenloser gewesen sein. Selbst ohne das Wissen um die wahren Hintergründe wirkt Scorseses Film emotional packend, realistisch und brutal.

Das Team um "Good Fellas" hat sich mehrheitlich wiedergefunden, um mit "Casino" ein ähnlich packendes Unterweltdrama zu fabrizieren: hier verkörpert Robert de Niro den Berufsspieler Sam "Ace" Rothstein, der aufgrund seiner Erfahrung von der Chicagoer Mafia eingeladen wird, in Las Vegas ein Kasino zu führen. Eine detaillierte Besprechung findet sich in Biographien von Gangstern und Kriminellen.

Das Brasilianische Drama "City of God" (Cidade de Deus, 2002) unter Regie von Fernando Mierelles und Kátia Lund zeigt, wie eine Trabantenstadt von Rio inmitten des Urwalds immer mehr von Ordnung ins Chaos abrutscht, schliesslich von der Stadt geschluckt wird und wie Strassenkinder sich bewaffnen und über Leben und Tod entscheiden. In dieser erschreckenden Umgebung entstehen Kriminellen-Lebensläufe wie die von "Löckchen", der als Achtjähriger aus Spass in einem Bordell nach einem Überfall die Bestohlenen ohne Wissen der restlichen Bandenmitglieder kurzerhand erschiesst. Löckchen wird später zum gefürchteten, brutalen "Locke der Boss". Im Gegenentwurf erhält der Junge Buscapé die Chance seines Lebens: er will nicht Teil des Geschäfts mit Drogen, Mord und Totschlag sein, sondern trägt Zeitungen aus und macht Fotographien der Cidade de Deus. Als er einen Film zum Entwickeln in das Labor der Zeitung abgibt, wird ein Portrait von Locke ausgewählt, gedruckt, und Buscapé steigt zum Nachwuchs-Fotoreporter auf...

City of God

Buscapé mit einer geschenkten Kamera - Buena Vista International

Der Film ist schonungslos brutal und zeigt nur zu einem geringen Teil die schönen Seiten von Rio. Es ist erschreckend zu sehen, wie bewaffnete, kleine Kinder über Leben und Tod entscheiden - auch unter ihresgleichen - und wie die Polizei selektiv wegschaut. Die über Jahre hinweg dokumentierte Verrohung der Sitten lässt sogar die Machtübernahme durch eine "Zwergenbande" überaus realistisch erscheinen.

Thrillerdramen

David Finchers Thriller "Sieben" (Se7en, 1995) zeigt Detective Lt. William Sommerset (Morgan Freeman) und Detective David Mills (Brad Pitt) in einer hektischen Jagd nach einem Mörder, der seine Opfer auf grausame Art foltert, bis sie sterben. Sommerset, der eine Woche vor seiner Pensionierung steht, arbeitet seinen neuen Kollegen und Nachfolger Mills noch ein, was einige Konflikte mit sich bringt, da Mills ehrgeizig ist und arrogant wirkt. Mills und Sommerset arbeiten zuerst an einem Tatort, an dem ein fettleibiger Mann zu Tode gefüttert wurde, bis er an inneren Blutungen starb. Als die Spannungen zwischen beiden Ermittlern überhand nehmen, wird Mills vom Vorgesetzten an einen anderen Tatort geschickt: Hier wurde ein Anwalt gezwungen, Teile seines Körpers abzuschneiden, woraufhin er an den Folgen der Selbstverstümmelung starb. Auf dem Teppich findet sich das Wort "Habsucht". Als Sommerset nochmals den alten Tatort untersucht, findet er das Wort "Masslosigkeit". Nun folgert Sommerset, dass die Morde zusammenhängen und für die sieben Todsünden stehen. Daher sind noch fünf weitere Morde zu erwarten. Eine für beide Ermittler schicksalhafte Hetzjagd nach dem Mörder beginnt, in die auch Mills Frau Tracy (Gwyneth Paltrow) hineingezogen wird...

Sieben

Detective David Mills (Brad Pitt) untersucht eine Leiche - Warner Bros. Entertainment

David Fincher hat eine erschreckend düstere Albtraumstimmung realisiert, die mit einigen Geschmacklosigkeiten glänzt. Der Zuschauer wird auf einen visuellen Höllentrip mitgenommen, der furios, fies und tragisch endet - wenngleich der Mörder hierzu von seinem Schema abrückt. Der Schauspieler des Mörders "John Doe" wird übrigens in den Opening Credits nicht erwähnt, so dass er aus Spannungsgründen auch hier unerwähnt bleibt.

Christopher Nolans Film "Memento" (2000) fasziniert mit einer ungewöhnlichen, erfrischenden Erzählweise, die zu Beginn verwirrend ist, und vermutlich den einen oder anderen bewegt, den Film zweimal zu schauen. Der Hauptcharakter ist Leonard (Guy Pearce), der durch den Angriff des Mörders und Vergewaltigers seiner Frau sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat. Er kann sich zwar an alles erinnern, was vor dem Mord an seiner Frau geschah, doch nach dem schrecklichen Überfall ist sein Erinnerungsvermögen auf die letzten 5 Minuten beschränkt. Unter dieser Prämisse muss Leonard Techniken erfinden, wie er Informationen auf den nächsten Tag hin retten kann: so beginnt er, sich Texte tätowieren zu lassen und Polaroids von Personen mit Kurzinformationen zu versehen. Die Handlung läuft vorwärts (in schwarzweiss) und jeweils in Szenen rückwärts (in Farbe), womit eine ähnliche Verwirrung geschaffen wird, wie sie vermutlich auch in Leonards Kopf vorherrscht. Das Konzept ist aber schnell erkannt und bietet einige Überraschungen, da Leonards aktuelle Fakten, nach denen er handelt, im nachfolgenden Rückblick, den der Zuschauer erhält, sich plötzlich anders darstellen.

Memento

Leonard (Guy Pearce) kann sich Informationen nur mittels Tattoos, beschrifteten Polaroids und Texten merken - Newmarket Films

Die Erzählweise, die düstere Stimmung, die unglaublichen Intrigen, in die Leonard verstrickt ist und auch die schauspielerische Leistung von Guy Pearce machen den Film absolut sehenswert. "Memento" gehört zu den besten Thrillerdramen und hat Christopher Nolans Karriere als Regisseur massgeblich befördert. Der Streifen "Inception" und seine Batman-Filme werden in der Kategorie Actionfilme besprochen.

In Luc Bessons "Léon der Profi" (Léon - The Professional, 1994) agiert Jean Reno als Killer Léon im Auftrag der Mafia. Menschlich vereinsamt - lediglich mit einer Topfpflanze als Freund - wohnt er in einer Mietskaserne, in der sich auf einmal ein Drama ereignet: Korrupte Polizisten der Drogenfahndung DEA erschiessen die Familie der zwölfjährigen Mathilda (Natalie Portman). Léon nimmt das Mädchen bei sich auf und geht auf einen Handel ein: Er soll ihr beibringen, wie man mit Waffen umgeht, um den Tod ihres kleinen Bruders zu rächen, sie lernt ihm Lesen und macht den Haushalt. Eher widerwillig akzeptiert Léon. Als die zwölfjährige Gefühle für ihn entwickelt, stösst er sie zurück. Mathilda versucht nun auf eigene Faust Norman Stansfield, den drogensüchtigen Chef der DEA-Einheit, zu töten, womit Sie Léon zum Eingreifen zwingt. Es entwickelt sich eine Hetzjagd zwischen DEA, Norman Stansfield und Léon, sowie Mathilda, die einige Todesopfer fordern wird.

Léon der Profi

Léon (Jean Reno) bildet die kleine Mathilda (Natalie Portman) in Waffenkunde aus - Sony Pictures

Auch wenn Luc Bessons Filme immer ein wenig naiv wirken, so hat er hier eine gefühlvolle Inszenierung geschaffen, die eine immense Spannung erzeugen kann. Die Härte der Story, die in einem furiosen, actiongeladenen Finale mündet, wird durch das gewohnt kühle Spiel von Jean Reno massgeblich unterstützt.

Psychodramen

"Einer flog über das Kuckucksnest" (One Flew Over The Cuckoo’s Nest, 1975) von Miloš Forman zeigt einen Jack Nicholson in Bestform in der Rolle des Randall Patrick McMurphy, der sich wegen der Verführung einer Minderjährigen in eine psychiatrische Anstalt einliefern lässt, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Randall trifft dort auf die kaltherzige Oberschwester Ratched (Louise Fletcher), die Patienten durch Medikamente und Elektroschocks ruhigstellen lässt. Randall rebelliert und nimmt die Insassen sogar auf Ausflüge mit, wodurch einige der Patienten sich öffnen können. McMurphy gelingt es sogar, sich mit dem taubstummen Indianer Chief Bromden (Will Sampson) anzufreunden. Als sich McMurphy mit einem Aufseher prügelt, und der Chief eingreifen will, stoppt sie Ratched und lässt sie mittels Elektroschocks bestrafen. Beide überstehen diese Behandlung relativ unbeschadet. Als Randall den Nachtwächter besticht, zwei Freundinnen hereinzulassen, um eine rauschende Party zu feiern und einem schüchternen Patienten ein Abenteuer der speziellen Natur zu organisieren, eskaliert die Situation: Schwester Ratched steht am Morgen danach vor einem Chaos und muss nun durchgreifen...

Eine flog über das Kuckucksnest

Randall Patrick McMurphy (Jack Nicholson) als Patient einer Nervenheilanstalt - Sony Pictures

Miloš Forman gelang mit diesem überragenden Psychodrama, das zwischen tragischen und komischen Szenen virtuos wechselt, der Durchbruch in den USA. Jack Nicholson spielt die unterschiedlichen Gefühlsregungen seines Charakters bis ins kleinste Detail gekonnt und wird damit zu einer Stütze dieses grossartigen Filmes.

In David Finchers faszinierendem Psycho- und Gewaltdrama "Fight Club" aus dem Jahr 1999 versucht ein schlafloser Mensch (Edward Norton) in Selbsthilfegruppen Erlösung zu finden. Die Gespräche helfen ihm zu Beginn weiter, doch als er dort auf die sporadisch teilnehmende Marla Singer (Helena Bonham Carter) trifft, nimmt sein Unbehagen wieder zu. Sein Leben ändert sich drastisch nach einer Begegnung mit Tyler Durden (Brad Pitt) in einem Flugzeug. Als kurz darauf seine Wohnung explodiert, fragt er Tyler, ob er bei ihm übernachten kann. Tyler willigt ein - unter einer Bedingungen: er will sich gelegentlich freundschaftlich prügeln. Kämpfe der beiden WG-Genossen in der Öffentlichkeit ziehen Schaulustige an, die alsbald mitkämpfen wollen. Der "Fight Club" wird daraufhin gegründet - eine  spezielle Selbsthilfegruppe, die sich regelmässig in einem Keller einer Bar triff. Als Marla wieder anruft, und um Hilfe bittet, nimmt sich Tyler ihrer an und beide fangen ein Verhältnis an... Doch Tyler verschwindet und gründet landesweit "Fight Clubs". Langsam kristallisiert sich heraus, dass die "Fight Clubs" zu einem Terrornetzwerk werden. Der Schlaflose erzählt daraufhin Marla die Geschichte des "Fight Clubs", wobei hiermit Tylers goldene Regel "Spreche nie über den Fight Club" gebrochen wird. Tyler taucht unvermittelt auf und offenbart nun die schreckliche Wahrheit über alles...

Fight Club

Ein sichtlich angeschlagener Edward Norton in "Fight Club" - 20th Century Fox

Eine Kritik fällt schwierig, da die Charakteren und insbesondere die Handlungen von Tyler Durden überzeichnet wirken. Man muss aber den Drehbuchautoren seltsame Ideen wie die Seifenproduktion hoch anrechnen, da sie den Film massgeblich auflockern. Doch obwohl sich Tyler gegen die Konsumgesellschaft und die Finanzwelt erhebt, geht diese Kritik in den durchchoreographierten Gewaltorgien ein wenig unter.

Martin Scorses "Taxi Driver" (1976) zeigt den einsamen Taxifahrer Travis Bickle (Robert de Niro), der sich mit seiner Kontaktstörung bei Frauen rasch ins Abseits manövriert. Seine unglücklichen Annäherungsversuche und seine psychisch angespannte Situation verschleiert er in Postkarten an seine Eltern. Ihnen gibt er vor, sich in einer normalen Beziehung zu befinden. Doch die ganzen, zwielichtigen Gestalten, die er transportiert, und  markige Auftritte von Senator Palantine während dessen Wahlkampf bringen in ihm den Gedanken hoch, dass zuviel "menschlicher Abschaum" die Strassen von New York bevölkert. Er erwirbt daraufhin vier Pistolen und beginnt zu trainieren. Eines Tages gelingt es ihm tatsächlich, bei einem Raubüberfall auf einen Laden einen Räuber zu erschiessen. Der Ladenbesitzer schickt ihn fort, da Bickle keinen Waffenschein besitzt. Als die zwölfjährige Prostituierte Iris (Jodie Foster) sich im Taxi versteckt und kurz darauf doch von ihrem Zuhälter entdeckt und herausgerissen wird, schmiedet Bickle einen Plan: Er will Iris aus der Prostitution befreien. Eine Idee, die in einem blutigen Kampf endet...

Taxi Driver

Travis Bickle (Robert De Niro) entwickelt sich vom Taxi Driver zum gewaltbereiten, bewaffneten Kämpfer für Recht und Ordnung - Columbia Pictures

Martin Scorseses Film gelingt es eindrücklich, den verstörten Bickle zu porträtieren, der schliesslich den falschen Weg der Selbstjustiz wählt. Die Gewaltorgie am Schluss des Films wird erträglicher gemacht, indem die Farbsättigung ein wenig zurückgenommen wurde. Scorsese übt aber nicht nur Kritik an der Selbstjustiz, sondern auch am Heldenverständnis der US-Amerikaner, so dass der Kampf um Iris noch nicht das eigentlich verstörende Ende ist...

In "Requiem for a Dream" (2000) zeigt Darren Aronofsky in düsteren Sequenzen den sozialen Abstieg von vier Drogensüchtigen. Sara Goldfarb (Ellen Burstyn) ist eine einsame, ältere Witwe, deren drogensüchtiger Sohn Harry (Jared Leto) ständig den Fernseher zur Pfandleihe bringt, um seine Sucht zu finanzieren. Eines Tages erhält sie das Angebot, im Fernsehen aufzutreten und nimmt Schlankheitspillen, um sich schick zu machen. Die Pillen, die Amphetamine enthalten, lassen Sara in eine Traumwelt abgleiten. Derweil beginnen Harry und sein Kollege Tyrone (Marlon Wayans) zu dealen, um mit Drogen das grosse Geschäft zu machen. Es gelingt Ihnen zwar, Sara einen schicken Flachbildfernseher zu finanzieren, doch als die beiden zwischen rivalisierenden Drogenbanden aufgerieben werden, versiegen plötzlich alle Quellen für Rauschmittel und Harry zwingt seine Freundin Marion (Jennifer Connelly) zur Prostitution. Die Beziehung zerbricht. Für alle vier starten nun die schrecklichen Wochen ihrer Leben, in denen alle Träume zerbrechen.

Requiem for a Dream

Marion und Harry befinden sich im Drogenrausch - Artisan Entertainment

Aronofskys Bildern kann sich niemand entziehen. Die realistische Story, die schauspielerische Leistung, die Optik, die Entwicklung der Charakteren machen "Requiem for a Dream" zu einem der besten Drogendramen.

Kriegsdramen

In "Der Soldat James Ryan" (Saving Private Ryan, 1998) gelingt es Steven Spielberg, die Schrecken des Krieges überzeugend darzustellen. Inmitten der Landung in der Normandie ist eine Gruppe von Soldaten unter Führung von Capt. John H. Miller (Tom Hanks) unterwegs, um hinter die Feindeslinien zu gelangen, den Soldaten James Ryan zu suchen und heimzubringen. Ein Todeskommando, doch will die Armeeführung unbedingt vermeiden, dass alle vier Söhne der Familie Ryan kurz nacheinander im Krieg getötet werden, um das Leid der Angehörigen nicht ins Unermessliche zu steigern. Nach etlichen Feindkontakten findet die Gruppe weit im Hinterland Private Ryan; doch der will zuerst seinen Auftrag erfüllen...

Der Soldat James Ryan

Steven Spielberg liefert zu Beginn des Films in einigen Szenen eine sehr grausame Darstellung des Blutvergiessens während des D-Day - Amblin Entertainment

Auch Wolfgang Peterson zeigt ein realistisches Bild des zweiten Weltkriegs - allerdings auf Seiten der Nazis und in der klaustrophobischen Enge eines U-Bootes. In "Das Boot" (1981) treffen ältere Matrosen, die ein genaueres Bild vom Krieg gewonnen haben, auf junge Soldaten, die durch die Propaganda des Regimes sehr beeinflusst sind. Darunter auch der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), der seine romantischen Vorstellungen aber bald revidieren muss. Capt.-Lt. Henrich Lehmann-Willenbrocks Auftrag - als "Kommandant" (Jürgen Prochnow) - führt ihn von La Rochelle in den Atlantik, um dort feindliche Schiffe abzufangen. Alsbald gerät die U96 in einen Sturm, der eine genaue Positionsbestimmung verunmöglicht. Tage später wird das U-Boot mit Wasserbomben attackiert, kann aber auch selbst Torpedos abfeuern. Die ganze Härte des Kriegseinsatzes zeigt sich, als nach einem erfolgreichen Angriff, schiffsbrüchige, feindliche Matrosen, die sich von einem brennenden Boot retten, nicht aufgelesen werden. Kurze Zeit später erfolgt eine Befehlsübermittlung: Die U96 soll im spanischen Vigo Vorräte ergänzen und dann in den Hafen von La Spezia in Italien fahren. Der Kommandant ahnt, dass dies ein Himmelsfahrtskommando wird, da die Meerenge von Gibraltar praktisch nahtlos von den Briten überwacht wird. Die Passage wird tatsächlich zum gefährlichen Geduldsspiel...

Die U96 kommt in schweres Fahrwasser

Wolfgang Peterson kann die Enge und die dadurch entstehenden psychologischen Spannungen gut vermitteln. Auch die Emotionen während eines Angriffes und der Stress des Kommandanten werden detailliert abgebildet, was "Das Boot" überaus sehenswert macht.

Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" (1979) zeigt die Sinnlosigkeit des Vietnamkrieges in epischen Sequenzen, die von brutalen, schnellen und zynischen Kampfszenen unterbrochen werden. Captain Benjamin L. Willard (Martin Sheen) ist ein Mitglied einer Spezialeinheit zur unkonventionellen Kriegsführung. Seit Tagen alkoholisiert in einem Hotelzimmer wartend, sehnt er sich nach einem Einsatz im Dschungel. Als zwei GIs ihn zu einem Stützpunkt des Nachrichtendienstes eskortieren, wartet dort bereits sein neuer Auftrag: Exekution des wahnsinnig gewordenen Colonels Walter E. Kurtz (Marlon Brando). Willard soll mit einem Patrouillenboot mit Besatzung den Nung River hochtuckern, um im angrenzenden Kambodscha Kurtz ausfindig zu machen. Ein erster Zwischenhalt führt Willard schon die Sinnlosigkeit des Vietnamkrieges vor Augen: die Eskorte durch die 1. US-Luftkavallerie kommandiert vom Lieutenant Colonel Bill Kilgore (Robert Duvall) setzt kurzerhand Napalm-Bomben ein, um einen Granatenbeschuss auf einen Strand zu stoppen, an dem gerade ein paar Soldaten auf seinen Befehl hin surfen. Willard fragt sich, was die Oberen überhaupt gegen Kurtz einzuwenden haben, wenn sie doch Kilgore dulden...

Apocalypse Now

Das Patrouillenboot trifft in Kurtz' Lager ein - American Zoetrope

Coppola zeigt den ganzen Wahnsinn des Krieges in eindrücklichen Bildern. Dabei wechseln ruhige Momente auf dem Patrouillenboot mit erschreckenden Kampfhandlungen und auch psychologisch erschütternden Momenten mit Soldaten ab, die im Dschungel moralisch am Boden liegen. Eine um 29 Minuten gegenüber der ursprünglichen Kino-Fassung längere "Redux"-Version lässt noch tiefer in den menschlichen Abgrund blicken.

Weitere Kriegsdramen werden auch in der Kategorie Kriegsfilme aufgelistet.

Die Satire "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte die Bombe zu lieben" (Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb, 1964) von Stanley Kubrick macht sich respektlos über den Kalten Krieg, die nukleare Abschreckung und die Entscheidungen der herrschenden Klasse im Angesicht des drohenden Weltunterganges lustig. Die Welt steht am Abgrund, als US-Air-Force-General Jack D. Ripper (Sterling Hayden) den ihm unterstellen B-52-Bombern einen Angriffsbefehl auf die Sowjetunion erteilt und mehr noch, als sich herausstellt, dass die Sowjets eine Weltvernichtungsmaschine konstruiert haben, die als Antwort auf einen atomaren Angriff alles Leben auf der Erde vernichten würde...

Dr. Strangelove, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben

Peter Sellers als Dr. Seltsam am Tisch der US-Amerikanischen Kommandozentrale - Sony Pictures

Peter Sellers glänzt in den Rollen als Captain Mandrake, Präsident Muffley und Doktor Seltsam - einem ehemaligen Nazi-Wissenschaftler. In teilweise absurden, improvisierten Szenen in der US-Kommandozentrale zündet Sellers ein Feuerwerk an skurrilen Einfällen, was den Film respektlos macht, aber auch frisch hält. Einige Filmplots stellen männliche Allmachtsphantasien herrlich überzogen dar: so sieht ein Plan zur Rettung der Nation vor, dass die männliche Führungselite in Begleitung von jeweils 10 Frauen pro Mann in einem Bunker einquartiert wird, was in der Kommandozentrale intensiver diskutiert wird, als jede weitere Evakuierungsmassnahme. Dr. Strangelove schwankt also geschickt zwischen Scherz und Entsetzen. Auch wenn der Film in wenigen Szenen zu sehr ins grotesk Komödiantische abgleitet, so gehört "Dr. Seltsam" trotzdem zu den besten Satirefilmen und Filmdramen.

Völkermorddramen

In "Schindlers Liste" (Schindler's List, 1993) legt Steven Spielberg Zeugnis ab für die gute Tat des industriellen Oskar Schindler (Liam Neeson), der im zweiten Weltkrieg etwa 1200 Juden vor dem sicheren Tod in Auschwitz rettete, indem er sie in seiner Fabrik arbeiten liess. Im dargestellten Lebensabschnitt vollzieht Schindler eine Wandlung vom rein opportunistischen Menschen, der lediglich auf sein Einkommen bedacht ist und seinen jüdischen Buchhalter Itzhak Stern (Ben Kingsley) alles organisieren lässt, zu einem mitfühlenden Chef, der sogar mehr Juden beschützt, als in der Fabrik zur Arbeit benötigt werden. Dieser Gesinnungswandel vollzieht sich trotz Anblick der Taten des sadistischen SS-Offiziers Arno Göth (Ralph Fiennes) im Lager Plaszow und der Räumung des Warschauer Ghettos erst spät. Zuerst ist Schindler lediglich entsetzt, dass die Nazis seine Arbeiter wegschaffen. Durch Verhandlungen mit Göth kann Schindler erreichen, dass er die Arbeiter behalten kann, doch später schmiert er Göth sogar, weil er das Leben der Arbeiter retten will. Auf Listen führen Schindler und Stern nun alle Arbeiter auf, die statt nach Auschwitz nach Brünlitz in Schindlers Fabrik deportiert werden. Da einige Frauen wegen eines Fehlers trotzdem nach Auschwitz in den sicheren Tod geschickt werden, schmiert Oskar Schindler sogar den dortigen Lagerleiter.

Schindlers Liste

Oskar Schindler und Itzhak Stern erstellen die Listen der Arbeiter - Universal Pictures

Schliesslich muss Schindler als Deutscher vor den heranrückenden Sowjets fliehen. Da er "Sklavenarbeiter" beschäftigte, droht ihm eine Strafe. Doch die Arbeiter schenken ihm einen Brief, in dem sie ausführen, Schindler wäre kein Krimineller, und zudem einen Ring aus Gold, dessen Gravur den Talmud zitiert: "Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt." Nun bricht es aus Schindler heraus, unter Tränen stellt er fest, dass er für die letzten Werte, die ihm geblieben sind - ein Fahrzeug und eben dieser Ring  - noch einige Juden mehr hätte retten können.

Spielberg ist sehr um Authentizität bemüht und nutzt Schwarzweiss als Stilmittel, damit die Personen im Mittelpunkt stehen. Die Motive Schindlers und die Wandlung seines Charakters sind allerdings nicht bis ins Detail erklärt, sie vollziehen sich eher schrittweise in Begegnungen mit einem kleinen Mädchen bzw. während einer Gebetszeremonie in der Fabrik. Diese besonderen Augenblicke werden im Film mit ein wenig Farbe unterstützt.

In Roman Polanskis "Der Pianist" wird eine hochdramatische Episode aus dem Leben von Władysław Szpilman (Adrien Brody) dargestellt - einem hochangesehenen Pianisten in Warschau, der die Schrecken der Judenverfolgung durch die Nazis durchmacht und dem Tod nur knapp entrinnen kann. Als seine Familie bei der Räumung des Warschauer Ghettos nach Treblinka abtransportiert werden soll, gelingt Szpilman die Flucht. Durch Mithilfe eines Freundes vom jüdischen Ordnungsdienst kann er im Ghetto bleiben und muss dort beim Wiederaufbau mitarbeiten, macht aber auch im Widerstand mit. Dann gelingt ihm die Fluch und er kommt bei befreundeten Polen unter. Von dort sieht er den Ghettoaufstand. Nun muss er mehrmals das Versteck wechseln, leidet Hunger und wird krank. In einem Unterschlupf trifft er auf den Deutschen Offizier Hosenfeld (Thomas Kretschmann), und Szpilmans Todesangst weicht erst, als er erkennt, dass der Deutsche hilfsbereit ist. Als Hosenfeld will, dass der Pianist ihm etwas auf einem Flügel vorspielt, entscheidet sich Szpilman für die Ballade Nr. 1 von Chopin, die die polnischen Freiheitsbestrebungen während der Besatzung durch die Russen intoniert. Die Schönheit der Musik, die auch Hosenfeld bewegt, steht im Gegensatz zu den Grauen des Krieges und zeigt die Absurdität des Kampfgeschehens. Als die Russen anrücken, verabschiedet sich Hosenfeld mit einem Geschenk: einem Deutschen Mantel. Das Kleidungsstück wird Szpilman fast zum Verhängnis, denn er gerät unter Beschuss. Hosenfeld wird unterdessen von den Russen gefangengenommen - die Rollen vertauschen sich.

Der Pianist

Szpilman spielt für den Offizier Hosenfeld die Ballade Nr. 1 von Chopin - Focus Features

Polanski hat einen eindrücklichen, düsteren Film geschaffen, der das Warschauer Ghetto wieder aufleben lässt. Die Detailversessenheit des Regisseurs - wohl da er im Film seine eigene Vergangenheit bewältigt - spiegelt sich in einigen Szenen wieder, beispielhaft sind die Ruinen des zerstörten Warschaus erwähnt, die eigens in verlassenen Kasernen der Roten Armee nachgestellt wurden. Und insbesondere Adrien Brody, der für die Rolle 15kg abgenommen hat, weiss durch seine Darstellung zu überzeugen und erhielt 2003 den Oscar für den besten Hauptdarsteller.

"Das Leben ist schön" (La vita è bella, 1997) ist Roberto Benignis grosse Tragikomödie, die zur Hälfte in komischen, aber auch zärtlichen Bildern beschreibt, wie der Jude Guido Orefice (Roberto Benigni) um die Lehrerin Dora hofiert und zur anderen Hälfte, wie sehr die junge Familie mit Giosué als Zuwachs unter dem Terror der Nationalsozialisten zu leiden hat. Als Guido und Giosué in ein Konzentrationslager deportiert werden, lässt sich Dora freiwillig auch dorthin bringen. Im Lager streng nach Geschlecht geteilt, ist nun Guido für das Wohl von Giosué verantwortlich: er erfindet ein Gewinnspiel, dessen Regeln es einzuhalten gilt. Wenn Giosué sich daran hält, gewänne er einen Panzer. Somit versucht Guido den allergrössten Schrecken von Giosué fernzuhalten. Dies gelingt ihm zu Beginn hervorragend, doch eines Tages macht auch Guido einen Fehler...

Das Leben ist schön

Giosué inmitten von Gefangenen des Konzentrationslagers - Miramax Films

Roberto Benignis Film überzeugt durch eine sensible Ausgewogenheit zwischen Romanze und absurder Tragödie. Der Film vermittelt den Schrecken der Konzentrationslager ausgesprochen effektiv und wahrt daher die Erinnerung an diesen düsteren Teil der Geschichte und die Opfer - auch wenn urkomische Szenen eingestreut werden, bei denen man nicht sicher ist, ob man laut loslachen darf. Gerade der heftige Bruch zwischen der Romanze, dem frühen Familienglück und den Bildern aus dem Konzentrationslager erzeugt emotional starke Gefühle. Das Ende des Films kann partiell für den Gefühlsaufwand der Zuseher entschädigen - auch wenn das Familienglück nicht in vollem Umfang wieder hergestellt wird.

"Hotel Ruanda" (Hotel Rwanda, 2004) unter Regie von Terry George erzählt die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina (Don Cheadle), der Angesichts des von Strasse zu Strasse fortschreitenden Völkermords der Hutus gegenüber der Tutsis in Ruanda, 1268 Flüchtlingen im Hotel Unterschlupf gewährt. In der eigentlich aussichtlosen, von Hass erfüllten Lage, agiert Rusesabagina besonnen und organisiert das Menschenmögliche. Doch die Gefahr rückt bedrohlich näher. Auch Colonel Oliver (Nick Nolte) wirkt als Kommandant der dort stationierten UN-Truppen zunehmend hilfloser, versucht Rusesabagina aber soweit es ihm möglich ist zu unterstützen. Doch mit Evakuierung der letzten Ausländer aus dem Hotel ziehen auch die UN-Truppen ab. Paul versucht nun durch Bestechung und alkoholische Getränke die Hutu-Milizen davon abzuhalten, das Hotel doch noch zu räumen. Als die Lage für alle noch einmal dramatisch wird, bringt erst ein Telefongespräch mit dem Chef der Fluggesellschaft Sabena, der das Hotel gehört, die Wende. Nun muss alles schnell gehen und auch Colonel Oliver setzt noch einmal alle Hebel in Bewegung und organisiert einen Konvoi...

Hotel Ruanda

Rusesabagina im Gespräch mit Colonel Oliver - United Artists

Die Schauspieler in Hotel Ruanda überzeugen durch ihre Leistung - allen voran Don Cheadle und Sophie Okonedo in der Rolle von Pauls Frau Tatiana. Die zuerst vorhandene Ungläubigkeit von Paul - als Hutu - gegenüber der enormen Unmenschlichkeit weicht einer puren Angst innerhalb der Familie, da seine Frau als Tutsi um ihr Leben fürchtet. Schliesslich kehrt wieder Besonnenheit ein. Der Film erspart dem Zuseher die wirklichen Gräuel des Völkermordes, aber die Anspannung und die Schrecken sind immer spürbar.

Historiendramen

Akira Kurosawas Streifen "Die Sieben Samurai" (Shichinin no samurai, 1954) ist einer der besten Filme des japanischen Kinos, dessen Plot oft kopiert wurde - z.B. in "Die glorreichen Sieben". Das epische Meisterwerk (Laufzeit 207 Minuten in Japanisch mit deutschsprachigen Untertiteln, bzw. 155 Minuten in der Synchronfassung) überzeugt durch intensive Kampfszenen, die gleichzeitig aus unterschiedlichen Blickwinkeln gefilmt wurden. Auch die Handlung, die im Japan des Jahres 1587 spielt, ist für Zuschauer, die an fernöstlicher Kultur und Geschichte interessiert sind, von grossem Interesse. Der Film porträtiert das damalige Verhältnis der herrschenden Kriegerkaste und den einfachen Bauern detailliert: Ein Bauerndorf, das unter Überfällen von Banditen leidet, entschliesst sich, Samurai anzuheuern, um die Übergriffe zu beenden. Das Ansehen der Samurai ist aber nicht allzu gross, so befürchten etliche Bauern, dass sich die Krieger mit ihren Frauen und Töchtern einlassen. Auch das Angebot an die Samurai fällt nicht üppig aus: ihr Lohn besteht lediglich aus Verpflegung. Die 7 Samurai, die trotzdem zu diesem Angebot einwilligen, werden folglich äusserst misstrauisch empfangen.

Die sieben Samurai

Die sieben Samurai in Akira Kurosawas gleichnamigen Meisterwerk von 1954

Die Spannungen werden abgebaut, die Bauern in grundlegenden Kampftechniken ausgebildet, das Dorf wird besser befestigt. Auf einmal kommen versteckte Kampfausrüstungen zum Vorschein, die von den Bauern von früher erschlagenen Samurai abgenommen wurden. Die Situation zwischen den Kriegern und den Bauern muss nun erneut geklärt werden. Kikuchiyo (Toshirō Mifune) einer der sieben Samurai - ein Bauernsohn - versucht, die Situation der Bauern zu erklären: ihr Misstrauen, Armut und Leid wuchs in den Kriegsjahren zuvor und wurde durch marodierende Samurai geschürt. Die Samurai erklären sich bereit zu bleiben und als die Bauern hungern, teilen sie ihre Essensrationen. Während der Gerstenernte entdecken Späher schliesslich die heranstürmenden Banditen. Der mehrtägige Kampf wird zahlreiche Opfer verlangen.

Im grossen Wüstenepos "Lawrence von Arabien" (Lawrence of Arabia, 1962) von David Lean macht sich der britische Offizier Thomas Edward Lawrence (Peter O’Toole) im ersten Weltkrieg von Kairo aus auf den Weg auf die arabische Halbinsel, um herauszufinden, wie gross die Separationsbestrebungen einiger arabischer Stämme vom osmanischen Reich wirklich sind. Auf seiner Reise lernt er sowohl die Wüste, die arabische Kultur als auch die islamische Rechtssprechung kennen. Lawrence trifft auf die unorganisierte Armee Faisals und bringt den Männern moderne Guerillataktiken bei, die sie erfolgreich anwenden. Mit einer kleinen Armee und neuen, lokalen Verbündeten gelingt es ihm, die Hafenstadt Akaba einzunehmen. Lawrence fühlt sich nun wegen seiner Erfolge unverwundbar, doch auf einer Expedition in Syrien gerät er in türkische Gefangenschaft und wird gefoltert. Die Demütigung zehrt an ihm, er kehrt nach Kairo zurück und bittet um seine Entlassung aus dem britischen Dienst. Dort vernimmt er aber auch, dass Franzosen und Briten den Arabern keine Selbständigkeit zubilligen, kehrt auf die arabische Halbinsel zurück und steigt schliesslich zum Anführer auf, der die teilweise verfeindeten Beduinenstämme vereinen kann, um Damaskus noch vor den Briten zu erobern.

Lawrence von Arabien

Lawrence (Peter O’Toole) zusammen mit seinem Vetrauten Sherif Ali (Omar Sharif) im grandiosen Wüstenepos "Lawrence of Arabia".

Lawrence übersteht eine Vielzahl von Abenteuern, was ihn aber eher zu einem tragischem Helden macht, da er sich bis zu seiner Gefangennahme durch die Türken selbst überschätzt. Auch seine Kraft, die Araber zu vereinen, reicht schliesslich nicht aus und er zieht als gebrochener Mann zurück nach England. David Lean gelingt es in diesem Streifen wunderbar, die Charakterzüge seines Helden herauszuarbeiten - auch negative Aspekte kommen dabei nicht zu kurz.

Gesellschaftsdramen

Forrest Gump (1994) ist ein moderne Märchen von Robert Zemeckis. Der Streifen zeigt, wie ein geistig zurückgebliebenes Kind mit Wirbelsäulenschaden und Beinschienen sich vom gehänselten Schüler zu einem respektierten Mensch entwickelt. Diese Entwicklung hat Forrest Gump (Tom Hanks) zu einem grossen Teil seiner Mutter zu verdanken, die ihn mit Lebensweisheiten versorgt hat, damit er auch ohne ihr Beisein den Alltag meistern kann. Forrest Gump ist zudem ein grosses Liebesdrama, da die Sehnsucht nach Jenny, die in Forrests Kindheit auch zu ihm stand, zu Beginn des Films unerfüllt bleibt. Eine erste Wendung in Forrests Leben stellt sich ein, als er gejagt von Mitschülern merkt, dass er die Beinschienen gar nicht braucht: er entwickelt sich daraufhin zu einem begnadeten Läufer und erhält ein Stipendium als Footballspieler an der University of Alabama. Eine Vielzahl weiterer Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zeigen, wie Forrest durch seine Art, die Welt zu verstehen, sogar Umstürze wie den Watergate-Skandal initiiert. Forrest meldet sich freiwillig zum Vietnamkrieg, rettet dort Dan Taylor das Leben, der aber seine Beine verliert. Als Krüppel lässt er seinen Frust zuerst an Forrest aus, doch dieser hilft ihm, eine eigene Firma aufzubauen. Währenddessen verläuft die Vita von Jenny anders: vom Vater misshandelt, wird sie zur Tabledance-Tänzerin und schliesslich drogenabhängig. Forrest und Jenny begegnen sich immer wieder einmal zufällig, doch erst als Forrest einen dreijährigen Dauerlauf durch die USA startet, um Jenny zu finden - von dem die Medien berichten - erhält er eine Einladung, Jenny in Savannah zu besuchen...

Forrest Gump (Tom Hanks) wird in Vietnam zum Helden - Paramount Pictures

Zemeckis vermittelt eine grosse Zahl an gesellschaftlichen Werten - durch die Sichtweise von Forrest Gump - eher zuckersüss verpackt. Und Zemeckis Streifen trägt in einigen Szenen dick auf, in denen Gump die Geschichte der USA massgeblich beeinflusst. Doch wer sich mit dem Märchencharakter der Story arrangiert, entdeckt die liebenswürdige Figur des Forrest und seine teilweise tragische Liebe zu Jenny, die den Film zu einem grossen Stück Kino machen. "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie was man bekommt".

"American History X" (1998) von Tony Kaye zeigt die Geschichte der Brüder Derek (Edward Norton) und Danny Vinyard (Edward Furlong), die beide in einem rassistischen Haushalt gross geworden sind. Der Ältere - Derek - ist bereits Mitglied der Neonazi-Szene, der Jüngere sympathisiert mit der Gruppe um Cameron Alexander (Stacy Keach). Als Derek zwei Afroamerikaner in der Nacht beim Diebstahl seines Fahrzeuges erwischt, erschiesst er den einen und ermordet den anderen kaltblütig durch Tritte in den Nacken. Da Danny die Aussagen des Bruders als Augenzeuge bestätigt, erhält Derek lediglich eine Strafe von 3 Jahren Gefängnis. Als der Bruder hinter Gittern ist, wendet sich auch Danny der Szene zu und wird radikalisiert. Als Derek aus dem Gefängnis entlassen wird, steht er gewandelt vor der Familie: sein Aufenthalt im Knast hat ihm gezeigt, dass die Neonazis im Gefängnis zweckdienlich und nicht ideologisch handeln, z.B. indem sie mit Hilfe der Mexikanischen Mafia Drogen vertickern. Als er aus der Gefängnisclique rausgeschmissen wird, ist er Freiwild für die anderen Häftlinge. Doch in der Wäscherei findet er einen Vertrauten in einem Afroamerikaner. Dieser Bekanntschaft hat er sein Überleben zu verdanken, liessen ihn die anderen Afroamerikaner weitgehend in Ruhe. Wieder in Freiheit muss Derek sich an Danny annähern, der nun radikalisiert ist und ihn überzeugen, sich aus der Szene zurückzuziehen...

American History X

Der gewandelte Derek Vinyard (Edward Norton) in "American History X" - New Line Cinema

Der Film zeigt schonungslos, zu welcher Gewalt radikalisierte Menschen bereit sind. "American History X" ist brutal, ungeschönt und regt zu Diskussionen an. Der Film verherrlicht Gewalttaten nicht, zeigt aber, wie die Gewalt von den Neonazis verherrlicht wird, was den Zuschauer sehr wohl aufrüttelt. Das grosse Manko des Streifens ist aber, dass die Wandlung von Derek im Gefängnis nicht wirklich greifbar ist, da ein starker Gegenspieler fehlt. Der Regisseur war mit der endgültigen Schnittfassung selbst nicht zufrieden, weshalb er die Löschung seines Namens im Abspann verlangte, womit er sich aber nicht durchsetzen konnte.

Sam Mendes portraitiert in seinem Regiedebüt "American Beauty" (1999) Lester Burnham (Kevin Spacey), der unter einer Midlife Crisis litt und sein Berufs- und Familienleben als trostlos empfand. Im Prinzip erfolgt die Erzählung des letztes Jahres seines Lebens rückblickend nach dem Tod, was zu Beginn klar gemacht wird: "In weniger als einem Jahr bin ich tot. Natürlich weiss ich das jetzt noch nicht". Lesters Höhepunkt ist die morgendliche Selbstbefriedigung, seine Frau Carolyn (Annette Bening) ist als Immobilenmaklerin karrieresüchtig, die Tochter Jane (Thora Birch) nervig. Lester wird von seiner Familie nicht respektiert und auch die Arbeit in einem Zeitschriftenverlag macht ihn nicht glücklich. Als er die Freundin seiner Tochter - Angela (Mena Suvari) - kennenlernt, ist er hin- und hergerissen. Er will sich wieder in Form bringen, um dem Mädchen zu imponieren. Ricky Fitts (Wes Bentley) - ein Junge aus einem Nachbarhaus - versorgt ihn zudem mit Cannabis-Produkten. Als er seinen Job schmeisst, ein Jahresgehalt erpresst und eine Stelle mit wenig Verantwortung annimmt, ist die Beziehung zu seiner Frau nicht mehr zu retten. Er toleriert sogar, dass diese ein Verhältnis mit einem anderen Makler eingeht. Als Frank, der autoritäre Vater von Ricky, Lester und Ricky durch ein Fenster beobachtet und den beiden eine homoerotische Beziehung andichtet, fangen die Probleme erst richtig an...

Lesters Familienleben verläuft schon lange nicht mehr harmonisch - DreamWorks Pictures

Sam Mendes wirft einen satirischen Blick auf die zur Schau gestellte Spiessigkeit typischer Vorstadt-Amerikaner. Dabei erschafft er eine Tragikomödie, die kraftvoll die Fassaden einreisst, indem sie Lester, der die Oberflächigkeit nicht mehr ertragen kann, als tragischen Held in auswegslose Situationen hineinmanövriert. Aber auch das Zusammenspiel der weiteren Figuren ist spannend. Obwohl die Geschichte offensichtlich auf Konflikt gebürstet ist, konstruiert der Regisseur einen Mikrokosmos aus psychologischen Verstrickungen, der absolut sehenswert ist.

In "Das Leben der Anderen" (2006) beschreibt Florian Henckel von Donnersmarck, wie Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) gegen den Schriftsteller George Dreyman (Sebastian Koch) eingesetzt wird. Eine Aktion, die von DDR-Kulturminister Bruno Hempf (Thomas Thieme) gebilligt wird, da dieser mit Dreymans Freundin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) - eine Schauspielerin - eine Affaire hat und sie für sich alleine gewinnen will. Während der Überwachungsaktion beobachtet Wiesler ein Treffen von Sieland und Hempf, wird aber vom Vorgesetzten Anton Grubitz (Ulrich Tukur) angewiesen, keine Informationen über den Minister zu sammeln. Je mehr sich Wiesler mit dem Leben von Dreyman und Sieland auseinandersetzt und dadurch Einblicke in Kunst und Kultur erhält, desto grösser wird seine Sympathie für die Beobachteten. Er beginnt, Partei für das Paar zu ergreifen und notiert nur noch Belanglosigkeiten in seinen Berichten, obwohl Dreymans Loyalität zur Staatsführung tatsächlich schwindet. Als es Sieland aufgrund des Verhältnisses zu Hempf schlecht geht, sucht er sogar das Gespräch mit ihr und überzeugt sie davon, zu Dreyman zurückzukehren. Unterdessen schreibt Dreyman einen Bericht für den Spiegel, in dem er die Selbstmordraten der DDR anprangert und kritisiert, wie die Behörden seinem Freund, dem Regisseur Albert Jerska, ein Berufsverbot auferlegt haben. Als der zurückgewiesene Hempf Sielands Verhör anordnet, bricht diese zusammen und offenbart Dreyman als Urheber des Spiegel-Artikels. Nun beginnt Grubitz an Wieslers Loyalität zu zweifeln...

Das Leben der Anderen

Ulrich Mühe als Gerd Wiesler in "Das Leben der Anderen" - Buena Vista Pictures

Florian Henckel von Donnersmarck gelingt eine ernste Aufarbeitung des DDR-Unrechtsstaates - ohne Ostalgie. Auch wenn einige Kritiker bemängeln, dass die gezeigten Abhörmethoden, z.B. mit gleichzeitigem Schreibmaschineschreiben im Versteck unrealistisch sind, so bietet der Fokus auf zwischenmenschliche Gefühle eine genaue Betrachtung der möglichen Auswirkungen von Spitzeltätigkeiten in einem Unrechtsstaat - egal ob das nun exakt den Gegebenheiten in der DDR um 1985 entsprach.

Danny Boyles "Slumdog Millionaire" (2008) zeigt das Schicksal von Jamal K. Malik (Dev Patel), der zwischen zwei Aufzeichnungen der indischen Version von "Wer wird Millionär" von der Polizei gefoltert wird. Es ist höchst seltsam, dass ein junger Mann, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, bislang alle Fragen richtig beantwortet konnte. Noch seltsamer ist, dass Jamal die falsche Lösung der vorletzten Frage, die ihm vom Moderator Rem Kumar (Anil Kapoor) zugesteckt wird, einfach ignoriert. So sitzt also Jamal vor einem Kommissar (Irrfan Khan) und erzählt die Geschichte seiner Kindheit: Er und sein Bruder Salim sind für die Toilettenhäuschen zuständig. Jamal wird allerdings von seinem älteren Bruder ständig getriezt. Eines Tages werden die Kinder Zeuge, wie die Mutter von einem wütenden Mob getötet wird, der den Slum niederbrennt. Sie flüchten, die Polizei hilft nicht. Als sie in der Toilette Unterschlupf für die Nacht finden, erlaubt Jamal gegen Salims Willen, dass die kleine Latika sich ihnen anschliessen kann. Die Kinder halten sich mit kleinen Bettlereien, Betrügereien und Arbeiten im Dreck des Slums am Leben. Als sie in eine zwielichtige Bettelorganisation aufgenommen werden, ahnen sie nicht, dass die Männer ihnen nichts Gutes wollen. Schliesslich werden die Kinder getrennt, Jamal und Salim können in höchster Not fliehen, Latika bleibt zurück.

Slumdog Millionaire

Der Slum musste dicht stehenden Hochhäusern weichen. Jamal (Dev Patel) gibt die Hoffnung aber nicht auf, in der Millionenstadt Mumbai Latika zu finden.

In vielen kleinen Details fügt der Regisseur nun eine Geschichte zusammen, die erklärt, weshalb Jamal die entscheidenden Fragen richtig lösen konnte - was gewiss konstruiert wirkt - aber auch, wie die Einzelschicksale von Jamal, Salim (Madhur Mittal) und Latika (Freida Pinto) ineinander verwoben sind. Zwischen Jamal und Latika entwickelt sich eine zarte Bindung, die später mit heftigen Gefühlen aufflammt aber immer wieder unglücklich getrennt wird. Slumdog Millionaire ist daher nicht nur ein Gesellschaftsdrama, sondern auch ein grossartiger Liebesfilm und ein Streifen der einfach nur gut unterhält, nachdenklich stimmt und an einigen Stellen die Zuseher auch verstört. In einem furiosen Finale, in dem auch der mittlerweile kriminell gewordene Salim geläutert wird, wendet sich für Jamal das Blatt.

Die Gesellschaftsutopie "Uhrwerk Orange" wird im Abschnitt "Scifidramen" beschrieben.

Liebesdramen

Casablanca (1942) unter Regie von Michael Curitz ist ein grosses Spionage- und Liebesdrama, das während des zweiten Weltkrieges im unter dem Vichy-Regime verwalteten Marokko spielt. Casablanca wird zum Umschlagspunkt für Flüchtlinge, die dort beim französischen Polizeichef Louis Renault (Claude Rains) gegen Geld und Liebesdienste Transit-Visas ins neutrale Portugal erhalten. Daneben bieten zwielichtige Gestalten wie der Italiener Ugarte (Peter Lorre) auf dem Schwarzmarkt Visas zu Höchstpreisen an. In dieser Gemengelage betreibt Ugartes Freund, der Amerikaner Richard Blaine (Humphrey Bogart), den Nachtclub "Rick's Café Américain", der ein Treffpunkt vieler Emigranten ist. Rick hat früher mit Waffenschmuggel Geld verdient, will sich nun aber aus allen Problemen raushalten. Als zwei deutsche Offiziere umgebracht und die Transitvisas gestohlen werden, die sie bei sich trugen, erfährt die Polizei, dass Ugarte dahinter steckt. Die Grossfahndung setzt Ugarte unter Druck, er bittet Rick, die Visas bei sich zu verstecken. Die Visas verschwinden im Klavier - noch bevor Ugarte in Ricks Bar festgenommen und kurz darauf getötet wird.

Casablanca

Rick und Ilsa auf dem Flughafen von Casablanca - Warner Brothers

Rick erfährt daraufhin von Renault, dass sich der tschechische Widerstandskämpfer Victor László (Paul Henreid) auf dem Weg nach Casablanca befindet. Und tatsächlich betritt László Ricks Lokal in Begleitung seiner Frau Ilsa Lund (Ingrid Bergman). Ilsa kennt den Klavierspieler Sam aus Paris und bittet ihn "As Time Goes By" zu spielen - so wie er es immer in Paris gemacht hat. Als die Musik ertönt, verlässt Rick sein Büro und erkennt Ilsa, die ihm damals in Paris das Herz gebrochen hat. Als die Nazis einmarschierten und er und Sam gezwungen waren, Paris zu verlassen, traf Ilsa nicht am Treffpunkt ein. Aus Rick wurde über die Jahre ein zynischer Zeitgenosse... Der gekränkte Barbesitzer betrinkt sich, und es stellt sich die Frage, ob Rick in den nächsten Tagen dem Paar mit Transitvisas helfen oder die beiden einfach an Renault verraten wird...

"Casablanca" vermittelt Werte, für die es sich einzutreten lohnt. Der Film ist spannend, witzig und bietet eine Menge an Gefühlen, die in einem Plot angesiedelt sind, der allgemein für Krisenzeiten Gültigkeit besitzt. Auch wenn "Casablanca" mit dem Fokus auf den zweiten Weltkrieg natürlich auch Platz für US-Amerikanische Propaganda bietet, so überzeugen die allgemeinen Verstrickungen und schauspielerischen Leistungen umso mehr.

In Michel Gondrys "Vergiss mein Nicht!" (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, 2004) mit den überzeugend spielenden Jim Carrey als Joel Barish und Kate Winslet als Clementine, wird die direkte Gedankenmanipulation thematisiert. Joel wacht zu Beginn des Films benommen auf, geht zur Arbeit, entscheidet sich dann aber um und fährt stattdessen zum Stand, wo er auf Clementine trifft, und sie lernen sich kennen. Die Frau übernimmt die Initiative, Joel als relativ vorsichtiger Mensch lässt sich aber mitreissen. Während sich die Liebe zart entwickelt und Joel in einem Fahrzeug auf seine Clementine wartet, taucht plötzlich ein Unbekannter auf, der genervt "kann ich Ihnen helfen" fragt. Es folgt nun ein Schnitt im zeitlichen Ablauf, Michel Gondry erzählt die Vorgeschichte: nämlich wie Clementine Joel verlässt und wie er dadurch zu einem bedauernswerten Gesellen wird. Nachdem Clementine die Gegensätze zu Joel nicht aushält, entschliesst sie sich, die Gedanken an Joel löschen zu lassen, mitsamt dem Funken Liebe, den sie noch immer empfindet. Joel, der davon nichts weiss, will Clementine ein Geschenk machen, kommt in die Buchhandlung, in der sie arbeitet und trifft eine Frau an, die ihn nicht erkennt. Dann flirtet sie noch mit einem völlig Fremden. Schliesslich findet Joel zufällig die Informationen der Firma "Lacuna", die die Erinnerungen von Clementine an ihn gelöscht hat, und entschliesst sich, die selbe Behandlung durchführen zu lassen. Nun kann sich Regisseur Michel Gondry austoben: in Joels Behandlung treten Fehler auf, die Mitarbeiter, welche die Löschung durchführen, sind selbst nachlässig beziehungsweise in Liebesaffären untereinander verwickelt. Diese Verquickungen werden in unterschiedlichen Rahmenhandlungen geschickt miteinander verknüpft, haben aber auch auf die gerade laufende Löschung mit Joel einen Einfluss: er entscheidet sich in seiner Gedankenwelt um und versucht eine Erinnerung an Clementine - oder besser einen versteckten Hinweis - aufrecht zu erhalten.

Vergiss mein nicht!

Die Behandlung findet in Joels gewohnter Umgebung statt - während er schläft - Warner Brothers

Gondry schafft hier ein eigenes Universum aus Kindheitserinnerungen, Gedanken an Clementine und Fremdeinflüssen von den Mitarbeitern, die die Löschung durchführen, das absolut visionär ist. Diese "Sciencefiction-Liebesfilm-Tragikomödie" ist aufgrund ihrer sehr emotionalen Handlung mitreissend und bringt den Wert persönlicher Erinnerungen auf den Punkt, weshalb der Film für jedermann eine Offenbahrung ist, egal ob hier eine Technologie thematisiert wird, die so nicht existiert.

Horror-, Scifi- und Fantasydramen

Eines der grössten Abenteuer des Fantasy-Genre erleben kleinwüchsige Hobbits in Peter Jacksons "Der Herr der Ringe"-Trilogie ("Der Herr der Ringe: Die Gefährten" [The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring, 2001], "Der Herr der Ringe: Die zwei Türme" [The Lord of the Rings: The Two Towers, 2002], "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" [The Lord of the Rings: The Return of the King, 2003] basierend auf der Buchreihe von J. R. R. Tolkien. Dieser epische Filmreigen, dessen grossartige Bilder in unberührten Landschaften Neuseelands eingefangen wurde, zeigt die Abenteuer einer kleinen Gruppe von Hobbits, deren Aufgabe es wird, einen Ring in den Feuern des Schicksalsbergs zu vernichten. Dieser eine Ring würde dem Dunklen Herrscher Sauron die Macht geben, die ganze Mittelerde zu unterwerfen. Doch auch Hobbit Frodo als Ringträger kann sich schwerlich der unheimlichen Anziehung des Ringes entziehen... Und alsbald kann Sauron seine Truppen und Gefolgsleute mobilisieren, um nach dem Ring zu suchen und die freien Königreiche anzugreifen. Es entwickelt sich ein Kampf an vielen Fronten, neue Bündnisse werden geknüpft, unheimliche Bedrohungen müssen ausgestanden werden. Die Filmtrilogie setzt das Herr-der-Ringe-Universum grandios um, und wurde zu Recht mit insgesamt 17 Oscars ausgezeichnet.

Der Herr der Ringe

Aragorn (Viggo Mortensen) führt seine Truppen in "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" in die Schlacht um Minas Tirith - New Line Cinema

In Stanley Kubricks äusserst drastischen und schockierenden Film "Uhrwerk Orange" (A Clockwork Orange, 1971) - wird eindringlich vor Augen geführt, wie brutal Bandenkriminalität sein kann und weitaus schlimmer, dass nicht alle Therapiemethoden und Lösungsmöglichkeiten einer Gesellschaft, diesem Problem Herr zu werden, wirklich die richtigen sind. Als der Film entstand, existierten in England bereits organisierte Banden, ausserdem wurde der Wert der Psychotherapie in der Öffentlichkeit diskutiert. 1962, zum Zeitpunkt des Erscheinens von Anthony Burgess' Romanvorlage, waren die Gegebenheiten in "A Clockwork Orange" noch deutlich unvorstellbarer. Kubrick zeigt eine immense Gewaltbereitschaft bei den Jugendlichen und untermalt die Mitleidslosigkeit seines gewaltbereiten Antihelden Alex noch mit klassischer Musik. In Verbund mit der drastischen Therapieform und ihrer Auswirkung auf Alex, kann "Uhrwerk Orange" als eine eindringliche Warnung von Kubrick an die Gesellschaft gesehen werden, sich um die Eingliederung der jungen Generation zu bemühen, statt wegzuschauen oder mit ungeeigneten Methoden zu versuchen, Personen umzupolen.

Alexander DeLarge (Malcolm McDowell) wird mit der "Ludovico-Technik" behandelt - Warner Bros. Entertainment

Alex ist der Anführer einer gewaltbereiten Jugendbande, die prügelnd und vergewaltigend durch Londons Vororte streift. Er empfindet kein Mitleid mit seinen Opfern. Wenn er zu Werke geht und Leute zu Krüppeln schlägt, hat er oftmals sogar ein Lied auf den Lippen. Doch scheint seine Macht innerhalb der Gruppe zu schrumpfen: Er verletzt die gegen ihn aufbegehrenden Bandenmitglieder und hält nach der Zurechtweisung eine kumpelhafte Ansprache. Doch beim nächsten Raubüberfall wird Alex sowohl vom Opfer als auch von den eigenen Kumpanen verletzt und zurückgelassen, so dass ihn die Polizei fassen kann. Alex wird als Mörder zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt, erschafft sich aber einen Vorteil beim Gefängnisgeistlichen, indem er sich reumütig zeigt: Auf Bitten des Pastors darf Alex nun als Versuchsteilnehmer bei der "Ludovico-Technik" teilnehmen und erhält einen Straferlass. In zwei Wochen Therapiedauer - so die Wissenschaftler - soll eine vollständige Resozialisierung möglich sein. Am Ende der Behandlung empfindet Alex eine Aversion - also richtigen Ekel - vor Gewalt und Sex. Auch Beethovens Neunte, Alex' ehemalige Lieblingsmusik, erzeugt nun denselben Würgereiz: Sie wurde als Hintergrundsmusik der Therapie genutzt. Als geheilt entlassen, versucht er zuerst bei seinen Eltern unterzukommen, doch sein Zimmer wurde bereits untervermietet. Allein in der Stadt unterwegs, trifft er nun auf einen Bettler, den er vor einigen Jahren in der Gruppe zusammenschlug. Zusammen mit anderen Obdachlosen entladen sie ihre Wut an Alex, der sich nicht mehr zur Wehr setzen kann. Jeder Gedanken an Gewalt erzeugt in ihm einen Brechreiz. Auch die anrückende Polizei entpuppt sich nicht als Freund und Helfer: es sind die zwei Kollegen aus der aufgelösten Bande, die er einst zurechtwies, die nun Hüter des Gesetzes sind. Nun beginnt für Alex ein Martyrium, das seinesgleichen sucht.

In Frank Darabonts Drama "Green Mile" (1999) erzählt der pensionierte und kaum gealterte, 108-jährige Gefängniswärter Paul Edgecomb (Tom Hanks) von einer Geschichte, die ihn sehr mitgenommen hat. Als Wärter in der "Green Mile", einem Gefängnistrakt mit grünem Linoleumboden, war er für die Unterbringung und ordnungsgemässe Tötung der verurteilten Mörder auf dem elektrischen Stuhl zuständig. Eines Tages wird John Coffey (Michael Clarke Duncan) überführt, ein herzensguter, riesiger und muskelbepackter Afroamerikaner, der wegen des Todes zweier Mädchens verurteilt wurde. John fürchtet sich im Dunkeln und scheint nicht sehr gesprächig zu sein. Paul irritiert aber am meisten die Tatsache, dass John eine Gabe hat: Er kann nämlich Krankheiten heilen, indem er alles Böse aus den Körpern saugt und es aus seinem Mund fliegen lässt. Wie kann ein böser Mensch von Gott eine derartige Gabe erhalten haben? Paul, dessen Blasenentzündung von John geheilt wurde, wird Zeuge weitere Wunder und bald stellt sich heraus, wer der wahre Mörder der beiden Mädchen ist...

The Green Mile

John Coffey (Michael Clarke Duncan) in Begleitung von Gefängniswärtern - vorne rechts Paul Edgecomb (Tom Hanks) - Warner Brothers

Der Film von Frank Darabont überzeugt durch hochemotionale Szenen, in denen die Darsteller an ihre Grenzen gehen. "Green Mile" diskutiert aber weniger die Fähigkeit von John, sondern fokussiert sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen im Todestrakt. Johns Fähigkeiten können aber die Konstellationen zuspitzen, so dass einige hektische Momente voller Anspannung entstehen, die den eher ruhigen Film aus dem Trott reissen.

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