Die besten Filmbiografien aller Zeiten

Vom Bettler zum König, vom Gutmenschen zum bösen Killer, vom Finanzmagnaten hin zum Aussteiger - sie alle werden porträtiert.

Interessante Geschichten aus dem Leben realer Persönlichkeiten

Das Genre der Filmbiographie, das auch "Biopic" heisst, beleuchtet geschichtlich und gesellschaftlich relevante Personen, kann aber trotz Bezug auf reale Persönlichkeiten, als dramaturgisches Mittel fiktive Elemente enthalten. Die meisten Streifen fokussieren sich auf einen besonders interessanten Lebensabschnitt des Portraitierten, da ein Film von Geburt bis zum Tod unweigerlich zu lang wäre.

Retter und Helfer

In Schindlers Liste (Schindler's List, 1993) legt Steven Spielberg Zeugnis ab für die gute Tat des industriellen Oskar Schindler (Liam Neeson), der im zweiten Weltkrieg etwa 1200 Juden vor dem sicheren Tod in Auschwitz rettete, indem er sie in seiner Fabrik arbeiten liess. Im dargestellten Lebensabschnitt vollzieht Schindler eine Wandlung vom rein opportunistischen Menschen, der lediglich auf sein Einkommen bedacht ist und seinen jüdischen Buchhalter Itzhak Stern (Ben Kingsley) alles organisieren lässt, zu einem mitfühlenden Chef, der sogar mehr Juden beschützt, als eigentlich in der Fabrik zur Arbeit benötigt werden. Dieser Gesinnungswandel vollzieht sich trotz Anblick der Taten des sadistischen SS-Offiziers Arno Göth (Ralph Fiennes) im Lager Plaszow und der Räumung des Warschauer Ghettos erst spät. Zuerst ist Schindler lediglich entsetzt, dass die Nazis seine Arbeiter wegschaffen. Durch Verhandlungen mit Göth kann Schindler erreichen, dass er die Arbeiter behalten kann, doch später schmiert er Göth sogar, weil er das Leben der Arbeiter retten will. Auf Listen führen Schindler und Stern nun alle Arbeiter auf, die statt nach Auschwitz nach Brünlitz in Schindlers Fabrik deportiert werden. Da einige Frauen wegen eines Fehlers trotzdem nach Auschwitz in den sicheren Tod geschickt werden, schmiert Oskar Schindler sogar den dortigen Lagerleiter.

Schindlers Liste

Oskar Schindler und Itzhak Stern erstellen die Listen der Arbeiter - Universal Pictures

Schliesslich muss Schindler als Deutscher vor den heranrückenden Sowjets fliehen. Da er "Sklavenarbeiter" beschäftigte, droht ihm eine Strafe. Doch die Arbeiter schenken ihm einen Brief, in dem sie ausführen, Schindler wäre kein Krimineller, und zudem einen Ring aus Gold, dessen Gravur den Talmud zitiert: "Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt." Nun bricht es aus Schindler heraus, unter Tränen stellt er fest, dass er für die letzten Werte, die ihm geblieben sind - ein Fahrzeug und eben dieser Ring  - noch einige Juden mehr hätte retten können.

Spielberg ist sehr um Authentizität bemüht und nutzt Schwarzweiss als Stilmittel, damit die Personen im Mittelpunkt stehen. Die Motive Schindlers und die Wandlung seines Charakters sind allerdings nicht bis ins Detail erklärt, sie vollziehen sich eher schrittweise in Begegnungen mit einem kleinen Mädchen bzw. während einer Gebetszeremonie in der Fabrik. Diese besonderen Augenblicke werden im Film mit ein wenig Farbe unterstützt.

"Hotel Ruanda" (Hotel Rwanda, 2004) unter Regie von Terry George erzählt die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina (Don Cheadle), der Angesichts des von Strasse zu Strasse fortschreitenden Völkermords der Hutus gegenüber der Tutsis in Ruanda, 1268 Flüchtlingen im Hotel Unterschlupf gewährt. In der eigentlich aussichtlosen, von Hass erfüllten Lage, agiert Rusesabagina besonnen und organisiert das Menschenmögliche. Doch die Gefahr rückt bedrohlich näher. Auch Colonel Oliver (Nick Nolte) wirkt als Kommandant der dort stationierten UN-Truppen zunehmend hilfloser, versucht Rusesabagina aber soweit es ihm möglich ist zu unterstützen. Doch mit Evakuierung der letzten Ausländer aus dem Hotel ziehen auch die UN-Truppen ab. Paul versucht nun durch Bestechung und alkoholische Getränke die Hutu-Milizen davon abzuhalten, das Hotel doch noch zu räumen. Als die Lage für alle noch einmal dramatisch wird, bringt erst ein Telefongespräch mit dem Chef der Fluggesellschaft Sabena, der das Hotel gehört, die Wende. Nun muss alles schnell gehen und auch Colonel Oliver setzt noch einmal alle Hebel in Bewegung und organisiert einen Konvoi...

Hotel Ruanda

Rusesabagina im Gespräch mit Colonel Oliver - United Artists

Die Schauspieler in Hotel Ruanda überzeugen durch ihre Leistung - allen voran Don Cheadle und Sophie Okonedo in der Rolle von Pauls Frau Tatiana. Die zuerst vorhandene Ungläubigkeit von Paul - als Hutu - gegenüber der enormen Unmenschlichkeit weicht einer puren Angst innerhalb der Familie, da seine Frau als Tutsi um ihr Leben fürchtet. Schliesslich kehrt wieder Besonnenheit ein. Der Film erspart dem Zuseher die wirklichen Gräuel des Völkermordes, aber die Anspannung und die Schrecken sind immer spürbar.

Freiheitskämpfer

Im grossen Wüstenepos "Lawrence von Arabien" (Lawrence of Arabia, 1962) von David Lean macht sich der britische Offizier Thomas Edward Lawrence (Peter O’Toole) im ersten Weltkrieg von Kairo aus auf den Weg auf die arabische Halbinsel, um herauszufinden, wie gross die Separationsbestrebungen einiger arabischer Stämme vom osmanischen Reich wirklich sind. Auf seiner Reise lernt er sowohl die Wüste, die arabische Kultur als auch die islamische Rechtssprechung kennen. Lawrence trifft auf die unorganisierte Armee Faisals und bringt den Männern moderne Guerillataktiken bei, die sie erfolgreich anwenden. Mit einer kleinen Armee und neuen, lokalen Verbündeten gelingt es ihm, die Hafenstadt Akaba einzunehmen. Lawrence fühlt sich nun wegen seiner Erfolge unverwundbar, doch auf einer Expedition in Syrien gerät er in türkische Gefangenschaft und wird gefoltert. Die Demütigung zehrt an ihm, er kehrt nach Kairo zurück und bittet um seine Entlassung aus dem britischen Dienst. Dort vernimmt er aber auch, dass Franzosen und Briten den Arabern keine Selbständigkeit zubilligen, kehrt auf die arabische Halbinsel zurück und steigt schliesslich zum Anführer auf, der die teilweise verfeindeten Beduinenstämme vereinen kann, um Damaskus noch vor den Briten zu erobern.

Lawrence von Arabien

Lawrence (Peter O’Toole) zusammen mit seinem Vetrauten Sherif Ali (Omar Sharif) im grandiosen Wüstenepos "Lawrence of Arabia".

Lawrence übersteht eine Vielzahl von Abenteuern, was ihn aber eher zu einem tragischem Helden macht, da er sich bis zu seiner Gefangennahme durch die Türken selbst überschätzt. Auch seine Kraft, die Araber zu vereinen, reicht schliesslich nicht aus und er zieht als gebrochener Mann zurück nach England. David Lean gelingt es in diesem Streifen wunderbar, die Charakterzüge seines Helden herauszuarbeiten - auch negative Aspekte kommen dabei nicht zu kurz.

Auch wenn "Braveheart" (1995) unter Regie von Mel Gibson eher lose auf den Erlebnissen des Schottischen Freiheitskämpfers William Wallace basiert, so bietet der Film trotzdem eine glaubwürdige, mitreissende Handlung. Als Schottland durch eine List an die Briten fiel und in den anschliessenden Auseinandersetzungen Williams Bruder und dessen Vater sterben, wird der achtjährige Junge William von seinem Onkel in Irland aufgenommen. Als junger Mann (gespielt von Mel Gibson) sehnt er sich nach seiner Jugendliebe Murron und kommt in das besetzte Schottland zurück, in dem nun die Briten allumfassende Rechte besitzen. Er heiratet Murron heimlich, damit der britische Sheriff sein Recht der ersten Nacht nicht ausüben kann. Als Murron später von einem britischen Soldaten fast vergewaltigt wird, fängt Wallace einen Kampf mit den Truppen an und kann sich der Verhaftung entziehen. Murron hingegen wird zurückgehalten und später vom Sheriff hingerichtet. Nun schart William seinen Clan hinter sich und kehrt in die Garnisons-Stadt ein, um den Sheriff zu töten. Weitere Freiwillige schliessen sich ihm an und es kommt zu Kämpfen mit Garnisonen in der Umgebung. Schliesslich ist die Schlacht mit England nicht mehr zu vermeiden. Nach dem Sieg gelingt es Wallace aber nicht, die schottischen Edelleute hinter sich zu versammeln. Durch die Einnahme der englischen Stadt York provoziert er zudem den englischen König Eduard I. Nun kommt es zu Verstrickungen mit den legitimen Thronerben von Schottland und der Schwiegertochter und Unterhändlerin des englischen Königs Prinzessin Isabelle (Sophie Marceau), die sich schliesslich in William verliebt. Trotz Verhandlungen schickt König Eduard I. aber im Geheimen bereits Truppen, um William zu umzingeln...

Braveheart

William Wallace inmitten seiner Verbündeten - Paramount Pictures

Gangster und Kriminelle

"Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" (Good Fellas, 1990) ist Regisseur Martin Scorsese Antwort auf Ford Coppolas "Der Pate". Doch wohingegen "Der Pate" die Mafia geschönt präsentiert, zeigt "Good Fellas" die dreckige Wahrheit - zumindest eine, die den Aussagen in diversen Gerichtsprotokollen nahe kommt - wie sie im Buch "Wise Guy" von Nicholas Pillegi verarbeitet wurden, der später auch das Drehbuch zu "Good Fellas" verfasste. Der Film zeigt schonungslos, wie der Junge Henry Hill sich mit Gelegenheitsjobs für die Mafia hocharbeitet, bis er von einem Zirkel der fünf Mafia-Familien in New York akzeptiert wird. Nun gelten für ihn die Regeln der Good Fellas wie "Verrate niemals einen Freund", und er kann sich dank besserer Jobs einen unbekümmerten Lebensstil leisten. Schliesslich verliebt sich die hübsche Karen Hill (Lorraine Bracco) in ihn, da er ihr sichtlich imponiert. Sie wird allerdings einige Schattenseiten von Henry kennenlernen.

Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia

Henry Hill sitzt zum ersten Mal im Knast und erhält Besuch von seiner Familie - Warner Brothers

Zu Henrys Kreis von Freunden zählen der ältere Jimmy Conway (Robert de Niro) und Tommy DeVito (Joe Pesci), dessen Ziel es ist, als Vollmitglied der Cosa Nostra aufgenommen zu werden. Sowohl Jimmy als auch Henry können als Halb-Iren diesen Status nicht erlangen; so bauen sie auf Tommy, der sie aber das eine oder andere Mal durch seine Jähzornigkeit in schwierige Lagen bringt. Als Jimmy und Henry einen Schuldner misshandeln, werden sie verhaftet und erhalten Gefängnisstrafen. Hier lernt Henry das Drogengeschäft kennen, das er nach seinem Aufenthalt - trotz des Verbots seines väterlichen Mafia-Mentors Pauli - weiter ausbauen kann. Tommy und Jimmy steigen in das Geschäft mit dem Rauschgift ein, doch ihr grösster Coup wird der Diebstahl von 6 Mio USD aus dem Frachtraum der Lufthansa innerhalb des Flughafens JFK. Hier zeigt sich, dass auch Jimmy konsequent sein kann: Er duldet nämlich nicht, dass die Handlanger ihren Teil der Beute in auffälliger Weise sofort verprassen und ermordet hinterrücks einige Helfer. In den Folgejahren verliert Henry aufgrund eigenen Drogenmissbrauchs zunehmend die Kontrolle und wird von den Kollegen immer mehr als Risiko gesehen...

Laut Aussagen des im Film portraitierten Henry Hill, der den Schauspielern beratend zur Seite stand, sind viele Charakteren - wenngleich unter leicht modifizierten Namen - äusserst akkurat dargestellt. So scheint Tommy sehr überzeichnet, doch in Wahrheit soll Thomas DeSimone - auf dem Tommy basiert - noch deutlich brutaler und gewissenloser gewesen sein. Selbst ohne das Wissen um die wahren Hintergründe wirkt Scorseses Film emotional packend, realistisch und brutal.

Das Team um "Good Fellas" hat sich mehrheitlich wiedergefunden, um mit "Casino" ein ähnlich packendes Unterweltdrama zu fabrizieren: hier verkörpert Robert de Niro den Berufsspieler Sam "Ace" Rothstein, der aufgrund seiner Erfahrung von der Chicagoer Mafia eingeladen wird, in Las Vegas ein Kasino zu führen. Eigentlich versperren einem Vorbestraften wie Rothstein Lizenzbedingungen den Weg an das Managerpult eines Kasinos, doch die Mafia installiert einen Strohmann, Sam fungiert als Restaurantmanager und das Schmieren der örtlichen Polizei lässt die Behörden wegschauen. Und tatsächlich gelingt es Sam, den Umsatz des "Tangier"-Kasinos zu verdoppeln und alles scheint gut zu laufen. Doch die Mafia entschliesst sich, einen alten Kumpanen Rothsteins zur Unterstützung und Kontrolle zu senden: Aces Jugendfreund Nicky Santoro (Joe Pesci). Nicky will aber nicht nur den Aufpasser spielen, sondern macht lieber auf eigene Rechnung Geschäfte. Die Probleme starten, als Ace sich mit der Edelprostituierten Ginger (Sharon Stone) einlässt und sie aufgrund der Geburt einer Tochter sogar heiratet, obwohl sie ihn nicht liebt. Ginger kann den Schein des fröhlichen Familienlebens aber nicht lange aufrechterhalten und verfällt Drogen und Alkohol und lässt sogar eine Beziehung zu Nicky zu. Dieser verstösst damit gegen einen Ehrenkodex der Mafia.

Casino

Ace Rothstein (Robert de Niro) inmitten des Kasinos, das er führt - Universal Pictures

Doch das Kartenhaus bricht völlig zusammen, als Ace einem unfähigen Casinoangestellten kündigt, der nur beschäftigt wurde, weil er der Schwager eines Lokalpolitikers ist. Als Ace sich weigert, die Kündigung rückgängig zu machen, platzt dem Politiker der Kragen und er hetzt die Behörden auf das Kasino. Der Strohmann wird enttarnt, Ace Lizenzantrag wird abgelehnt, auch die Mafia - längst vom FBI überwacht - wird nervös. Als es innerhalb der Familie zu Verhaftungen kommt, versucht die Mafia, den Schaden zu minimieren...

Scorsese gelingt es in diesem Film, die heile Welt des Kasinos ordentlich zu entmythologisieren. Besucher werden abgezockt, Falschspieler gefoltert, Politiker werden mit Geld und Liebesdiensten korrumpiert. Alles mündet in einem Ausbruch an Gewalt - manchmal unnötiger Gewalt - aber für "Casino" gilt, dass der grosse Teil der Story auch hier - wie in "Good Fellas" - dank dem Drehbuchautor Nicholas Pillegi auf wahren Gegebenheiten beruht. So lässt einen der Film fasziniert - aber auch angewidert - an realen und ungeschönten Mafia-Gepflogenheiten teilhaben.

Künstler und Gelehrte

In Roman Polanskis "Der Pianist" wird eine hochdramatische Episode aus dem Leben von Władysław Szpilman (Adrien Brody) dargestellt - einem hochangesehenen Pianisten in Warschau, der die Schrecken der Judenverfolgung durch die Nazis durchmacht und dem Tod nur knapp entrinnen kann. Als seine Familie bei der Räumung des Warschauer Ghettos nach Treblinka abtransportiert werden soll, gelingt Szpilman die Flucht. Durch Mithilfe eines Freundes vom jüdischen Ordnungsdienst kann er im Ghetto bleiben und muss dort beim Wiederaufbau mitarbeiten, macht aber auch im Widerstand mit. Dann gelingt ihm die Fluch und er kommt bei befreundeten Polen unter. Von dort sieht er den Ghettoaufstand. Nun muss er mehrmals das Versteck wechseln, leidet Hunger und wird krank. In einem Unterschlupf trifft er auf den Deutschen Offizier Hosenfeld (Thomas Kretschmann), und Szpilmans Todesangst weicht erst, als er erkennt, dass der Deutsche hilfsbereit ist. Als Hosenfeld will, dass der Pianist ihm etwas auf einem Flügel vorspielt, entscheidet sich Szpilman für die Ballade Nr. 1 von Chopin, die die polnischen Freiheitsbestrebungen während der Besatzung durch die Russen intoniert. Die Schönheit der Musik, die auch Hosenfeld bewegt, steht im Gegensatz zu den Grauen des Krieges und zeigt die Absurdität des Kampfgeschehens. Als die Russen anrücken, verabschiedet sich Hosenfeld mit einem Geschenk: einem Deutschen Mantel. Das Kleidungsstück wird Szpilman fast zum Verhängnis, denn er gerät unter Beschuss. Hosenfeld wird unterdessen von den Russen gefangengenommen - die Rollen vertauschen sich.

Der Pianist

Szpilman spielt für den Offizier Hosenfeld die Ballade Nr. 1 von Chopin - Focus Features

Polanski hat einen eindrücklichen, düsteren Film geschaffen, der das Warschauer Ghetto wieder aufleben lässt. Die Detailversessenheit des Regisseurs - wohl da er im Film seine eigene Vergangenheit bewältigt - spiegelt sich in einigen Szenen wieder, beispielhaft sind die Ruinen des zerstörten Warschaus erwähnt, die eigens in verlassenen Kasernen der Roten Armee nachgestellt wurden. Und insbesondere Adrien Brody, der für die Rolle 15kg abgenommen hat, weiss durch seine Darstellung zu überzeugen und erhielt 2003 den Oscar für den besten Hauptdarsteller.

"Amadeus" (Amadeus, 1984) von Miloš Forman erzählt die Geschichte des jungen Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) aus der Sicht seines grossen Komponisten-Widersachers Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Salieri will sich nach Mozarts Tod umbringen, wird daraufhin in ein Sanatorium eingeliefert und legt dort einem Priester die Beichte ab. Salieri erzählt, wie er am Hof von Kaiser Joseph II. als Komponist bewundert wurde - bis Mozart auftauchte. Schnell erkennt Salieri seine Mittelmässigkeit und das von Gott gegebene Talent von Mozart. Nachdem er einigen Kompositionen von Mozart gelauscht hat, verschwört sich Salieri gegen Gott und dessen musikalische "Inkarnation" und will Mozart ermorden. Derweil pflegt Mozart einen verschwenderischen Lebensstil und hat sich gegen den Willen seines immer kritischen Vaters mit seiner Geliebten Constanze vermählt. Als Mozart nach dem Tod des Vaters unter Alkohol- und Medikamentenmissbrauch leidet und durch die Psychospiele von Salieri wahnsinnig wird, vergnügt er sich mit Schauspielerinnen und Constanze verlässt ihn. Er verarbeitet den Trennungsschmerz in seiner Oper "Zauberflöte". Bei der Uraufführung bricht er zusammen und Salieri sieht seine Stunde gekommen...

Amadeus

Der junge Mozart überzeugt die anwesenden Adligen von seinen musikalischen Fähigkeiten - Orion Pictures

Das Element des Neides von Salieri auf das Genie Mozarts ist reine Fiktion und stammt aus einem Theaterstück von 1834 [Mozart und Salieri]. Mozart und Salieri standen zwar in Konkurrenz, doch zeugen etliche Schriftstücke von gegenseitigem Respekt für ihre Arbeit. Doch Neid und die Psychospielchen von Salieri machen den Film "Amadeus" umso spannender und bringen sowohl Genie als auch Wahnsinn von Mozart besser zu Geltung.

"A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" (A Beautiful Mind, 2001) zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben und Leiden des Mathematik-Professors John Forbes Nash, Jr. (Russel Crowe), der von der Regierung angefragt wird, sowjetische Codes zu entschlüsseln. In Beisein seiner Frau Alicia (Jennifer Connelly) steigert sich der Sonderling in absurde Wahnvorstellungen bezüglich dieses Auftrages. Erst in der Mitte des Filmes wird klar zwischen Realität und Wahn aufgeschlüsselt, indem von der Perspektive Nashs auf diejenige seiner Mitmenschen gewechselt wird.

A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn

Russel Crowe als John Forbes Nash, Jr. zu Beginn seiner Laufbahn  - Universal Studios

Der Film lebt vor allem durch die Leistungen der Hauptdarsteller. Es ist rührend zu sehen, wie sich Alicia Nash um ihren Mann kümmert. Aber das Werk ist weder ein Spionagethriller noch ein Liebesfilm sondern ein Ausflug in die Vorstellungen eines kranken Geistes, ohne die Grunderkrankung von Nash detailliert zu erläutern.

Sportler

In "Wie ein wilder Stier" (Raging Bull, 1980) - einem Schwarzweiss-Film unter Regie von Martin Scorsese - brilliert Robert de Niro als Boxer Jake LaMotta. Der Sportler scheitert sowohl im Kampf als auch menschlich. Eigentlich weigert sich LaMotta, Kämpfe zu manipulieren, doch durch einen Kompromiss (indem er 1947 zu Boden geht) wird ihm ermöglicht, 1949 den Weltmeistertitel im Mittelgewicht zu erzielen. Mit einigen Kilos mehr auf den Rippen gelingt es ihm aber nicht mehr, den Titel zu verteidigen. Sein zusätzliches Problem ist sein ausgeprägtes Misstrauen, dem sich bislang nur sein Bruder Joey (Joe Pesci) - gleichzeitig sein Betreuer - entziehen konnte, doch seine Frau leidet zusehends unter dem Mangel an Vertrauen. So wirft sie im zynisch an den Kopf, sie hätte auch ein Verhältnis mit dem Bruder gehabt, woraufhin sich LaMotta mit den beiden letzten Menschen überwirft, die noch zu ihm gehalten haben. Daraufhin fängt der sportliche und finanzielle Absturz erst richtig an...

Jake LaMotta (Robert de Niro) vor einem Kampf - United Artists

Der Streifen zeigt einen Robert de Niro in Höchstform. Der Schauspieler, der sich selbst als "Method Actor" versteht, hat unter Anleitung von Jack LaMotta (Jahrgang 1921) selbst Boxtraining genossen und nimmt für den Film sogar innert kürzester Zeit 27 Kilo zu, um den körperlichen Niedergang LaMottas zu illustrieren. Diese aufopfernde Identifikation mit der Rolle brachte De Niro einen Oscar ein. Doch auch Scorseses Bilder entfalten eine unglaubliche Wirkung: so enthält z.B. die Darstellung der äusserst schonungslosen Boxkämpfe eine subjektive Komponente: Bild und Ton geben den aktuellen Zustand von Jake wieder.

Politiker und Diktatoren

Die letzten Tage im Führerbunker illustriert der Film "Der Untergang" (2004) von Oliver Hirschbiegel aus der Sicht von Hitlers junger Privatsekräterin Traudl Junge (Alexandra Maria Lara) - auf deren Roman das Drehbuch basiert. Im Film brillieren unter anderem auch Bruno Ganz als Hitler sowie Corinna Harfouch und Ulrich Matthes als Ehepaar Goebbels. Traudl wird im Jahr 1942 im Führerhauptquartier als Sekretärin angestellt - zu einer Zeit, als die Nazis grosse Teile Europas besetzen. Lediglich zweieinhalb Jahre später liegt Deutschland in Trümmern und hat alle Verbündeten verloren. Die Niederlage des Dritten Reiches ist nah. Obwohl Hitler geraten wird, die Stadt Berlin zu verlassen, weigert er sich, glaubt er immer noch an einen Entlastungsangriff, der die Wende bringen kann. Seine Generäle werden hingegen immer nervöser und ignorieren die in ihren Augen abstrusen Befehle Hitlers. Die politischen Führungsleute haben Berlin bereits mehrheitlich verlassen. Als die Lage immer wie aussichtsloser wird, will Hitler die Deutsche Zivilbevölkerung weiter kämpfen lassen, statt selbst zu kapitulieren, denn er ist der Überzeugung, das Deutsche Volk hätte seinen Untergang verdient. Und ehe er Berlin verlässt, so kündigt Hitler an, würde er sich eine Kugel durch den Kopf jagen. Nur noch die Familie Goebbels und wenige, weitere Führungsgrössen bleiben im Führerbunker an Hitlers Seite, als die Rote Armee vor den Toren Berlins steht. Die Stadt wird nun mehrheitlich von Freiwilligen und der Hitlerjugend verteidigt. Kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee am Führerbunker diktiert Hitler Traudl sein Führervermächtnis und vermählt sich mit Eva Braun, tags darauf nehmen sich die Nazigrössen das Leben. Innerhalb weiterer zwei Tage werden alle Kampfhandlungen eingestellt und die verbleibenden Deutschen Soldaten ergeben sich. Traudl flieht in einer Gruppe von Soldaten durch die zerstörte Stadt...

Der Untergang

Traudl (Mitte) flüchtet durch das zerstörte Berlin vor den heranrückenden Russen - Constantin Film

Besonders die schauspielerische Leistung von Bruno Ganz weiss zu überzeugen. Hitler erscheint an einigen Stellen sehr menschlich, bis der Hass wieder aus ihm heraus bricht. Es ist natürlich gewiss so, dass der Film nicht für sich alleine stehen kann, schliesslich zeigt der Streifen durch die Fokussierung auf das letzte Kapitel und die Stadt Berlin nicht das grausame Wirken der Nazis in ganz Europa. Der Untergang des Deutschen Reiches wird aber mehr oder weniger wahrheitsgetreu, sehr düster, hoffnungslos und auch eindrücklich wiedergegeben.

Richard Attenboroughs "Gandhi" (1982) zeigt die Ermordung des politischen und ideologischen Führers Indiens zu Beginn, blendet dann aber auf die Jahre nach der Studienzeit Gandhis zurück: Als er nach seinem Jurastudium in England und zwei Jahren Anwalts-Tätigkeit in Bombay nach Südafrika geschickt wird, lernt er Apartheid am eigenen Leib kennen. Er erfindet das Prinzip des gewaltlosen Widerstandes und setzt sich für die dortige, indische Minderheit ein. Zurück in Indien arbeitet er sich zum Führer der Kongresspartei hoch und setzt sich für die Unabhängigkeit Indiens ein. Nach Protesten erlässt die britische Regierung Notstandsgesetze. Kurz darauf kommt es zum Massaker von Amritsar, bei dem 379 Menschen von britischen Soldaten erschossen werden. Nun protestiert Gandhi durch einen Hungerstreik gegen die Unruhen, die daraufhin abebben. Nach dem gewaltigen Protestzug Gandhis und seiner Anhänger gegen das Salzmonopol der Briten, wird er inhaftiert und zu einigen Jahren Haft verurteilt, doch wenig später wieder freigelassen. Während des zweiten Weltkrieges werden die Proteste zurückgestellt, um den Einmarsch der Faschisten nicht zu ermöglichen, doch im Jahr 1947 kommt es zur Indischen Unabhängigkeit und die Abspaltung von Pakistan. Nun muss Gandhi zwischen Hindus und Moslems moderieren, um die bürgerkriegsähnlichen Zustände zu beenden.

Gandhi

Ben Kingsley als Gandhi - Columbia Pictures

Der Film vermittelt die Philosophie Gandhis eindrucksvoll. "Gandhi" überzeugt aber auch durch seine ruhige, epische Erzählweise und die detailgetreue Kulisse, sowie der schauspielerischen Leistung Ben Kingsleys.

Aussenseiter und Aussteiger

Die traurige Geschichte des körperlich verunstalteten Joseph Merrick (im Film: John Merrick - gespielt von John Hurt) wird in David Lynchs "Der Elefantenmensch" (The Elephant Man, 1980) verarbeitet. Als der Chirurg Frederik Treves (Anthony Hopkins) auf einem Jahrmarkt Interesse für den aufgrund seiner schrecklichen Deformationen ausgestellten "Elefantenmenschen" entwickelt, befreit er ihn kurzerhand aus den Fängen eines trinkenden Schaustellers. Im Hospital, in dem Frederik arbeitet, sind die Reaktionen auf den jahrelang gepeinigten Menschen teilweise entsetzt, aber auch Neugier und Mitleid stellen sich ein. Der Schädel ist deformiert und vergrössert, der Rücken ist von Tumoren übersät, der rechte Arm ist unbrauchbar. Doch am schlimmsten wiegt, dass im Schlaf liegend die Luftröhre abknickt und John unweigerlich ersticken würde. So ist der Elefantenmensch gezwungen, sitzend zu schlafen. Frederik möchte John gerne im Hospital behalten, obwohl er ihn nicht behandeln kann, doch der Direktor ist anfänglich dagegen. Doch als Merrick sich von seiner psychischen Pein erholt, kommt ein freundlicher und sensibler Mann zum Vorschein, der schliesslich bleiben darf. John bildet sich weiter und die Geschichte des "Elefantenmenschen" macht in Londons Gesellschaft die Runde. So erhält er Besuch einer Theaterschauspielerin, einen Brief der Königin Victoria und sogar das ständige Bleiberecht.

Der Elefantenmensch

John Merrick besucht in Begleitung von Frederik Treves eine Theatervorführung - Paramount Pictures

Doch Johns Glück währt nicht lange, denn ein Nachtpfleger des Krankenhauses lässt die Neugierigen in Scharen in das Zimmer. Sie beginnen, Merrick zu verhöhnen und sein Zimmer zu verwüsten. Sein ehemaliger Peiniger, der sich auch unter den Schaulustigen befindet, kann John sogar entführen und stellt ihn auf einem Jahrmarkt in Paris zur Schau. Doch unter Mithilfe von Artisten und Clowns kann er zurück ins Londoner Hospital und zu seinem Freund Frederik fliehen. Tage später besuchen die beiden eine Theatervorstellung. Als John von der Schauspielerin am Ende der Vorführung Dank erhält, applaudiert der ganze Saal. John ist nun inmitten der Gesellschaft angekommen und in der darauffolgenden Nacht macht er sich seinen einzigen unerfüllten Wunsch wahr: wie ein normaler Mensch liegend zu schlafen.

David Lynch schafft es mit seinem Schwarzweissfilm, die Atmosphäre der viktorianischen Zeit gut zu vermitteln. Sowohl John Hurt als auch Anthony Hopkins überzeugen in ihren Rollen und bringen dem Drama die nötigen Impulse. Die Geschichte überzeugt, ist anrührend und stimmt einen nachdenklich.

Das britische Biopic "The King's Speech" (2010) zeigt den unsicheren Herzog Albert (Colin Flirth), der in einer Radioansprache von 1925 anfängt zu stottern und dadurch zum Gespött seiner Untertanen wird. Da zahlreiche Ärzte das Stottern nicht heilen können, wendet er sich auf Anraten seiner Frau Elisabeth an den Sprachtherapeuten und Schauspieler Lionel Logue (Geoffrey Rush). Doch die erste Therapiesitzung verläuft für den Herzog mühsam, Logue nennt in schlicht "Bertie" und lässt ihn Hamlets Monolog rezitieren. Währenddessen spielt er dem Herzog laute Musik über einen Kopfhörer zu, so dass er die eigene Stimme nicht wahrnimmt. Als Albert eine Schallplattenaufnahme seines Monologs hören soll, weigert er sich, doch nimmt er die Schallplatte als Geschenk nach Hause. Kurze Zeit später hält sein Vater, König George V. seine Weihnachtsansprache versiert und Albert entschliesst sich, die Schallplatte trotzdem anzuhören: zu seiner Überraschung ist die Rezitation fehlerfrei. Elisabeth und Albert entscheiden, Logue das Vertrauen zu schenken und es folgen etliche Therapiesitzungen. Aber auch Rückschläge setzen ein, da sich der Konflikt zwischen Albert und seinem Bruder David zuspitzt, der nun als Eduard VIII. den Thron besteigt. Als Eduard wegen einer Beziehung zu einer US-Amerikanerin abdanken muss, wird Albert zum neuen König - George VI. Für Logue und den König stehen jetzt einige Bewährungsproben an, da der zweite Weltkrieg vor der Tür steht und deutliche Worte gefunden werden müssen.

The King's Speech

Albert hält eine Rede - The Weinstein Company

Regisseur Tom Hooper ist ein differenziertes Portrait eines sensiblen Charakters gelungen, das insbesondere durch Colin Flirth und Geoffrey Rush zu Leben erweckt wird. Der Streifen ist als Historienfilm zwar aussergewöhnlich eng gesteckt, doch führen alle Anstrengungen der Protagonisten zu einer wichtigen Szene im Film: nämlich der Kriegserklärung an Deutschland. Womit gezeigt wird, wie mächtig Worte doch sein können.

In "Into the Wild - Die Geschichte eines Aussteigers" (Into the Wild, 2007) gibt der Aussteiger Christopher McCandless seine Reichtümer auf, trampt durch die USA und verwirklicht seinen Traum: abseits jeglicher Zivilisation in der Wildnis Alaskas zu leben. Doch wohingegen sein Leben auf den Strassen neue Freunde und viele Erfahrungen gebracht hat, ist er in der Wildnis überfordert: In Alaska angekommen, wendet sich nach wenigen Monaten das Blatt. Kurz nach dem Winter und einer Zeit voller Entbehrungen, versperren nun riesige Wassermassen den Rückweg in die Zivilisation...

Christopher McCandless (Emile Hirsch) vor einem alten, liegengebliebenen Bus, der ihm in der Wildnis von Alaska eine Behausung bietet - Paramount Vantage

Der Streifen, der Christopher McCandless - auch bekannt als Alex Supertramp - auf seiner Reise durch die USA portraitiert, ist das faszinierende Werk von Regienovize Sean Penn. Alex' Charakter ist feinfühlig dargestellt und gewinnt im Verlaufe des Films durch seine offene Art und positive Weltanschauung an grosser Sympathie. Als Zuschauer gönnt man Chris den Abenteuertrip quer durch die USA auch mit Wissen um sein schwieriges Verhältnis mit den Eltern.

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